Politik : Die Dannebrog brennt – die Dänen nehmen es persönlich

André Anwar

Stockholm - Während die Zentralredaktion der „Jyllands-Posten“ in Arhus einem Hochsicherheitstrakt immer ähnlicher wird, sitzt ganz Dänemark abends ungläubig vor den Fernsehschirmen. Die zeigen muslimische Volksmassen in der ganzen Welt, wie sie die dänische Flagge – die Dannebrog – verbrennen. Ähnlich wie das Verhältnis zum Königshaus, gilt das Verhältnis der Dänen zur Flagge als sehr eng. So sieht ein überwiegender Teil der Bevölkerung die Flaggenverbrennungen nicht nur als Sicherheitsbedrohung an, sondern nimmt sie auch persönlich.

Die Flagge Dänemarks entstand in einem Glaubenskrieg mit den Esten: Am 15. Juni 1219, als König Waldemar II. gegen die heidnischen Esten kämpfte, schien der Krieg schon verloren. Dann soll eine große Flagge vom Himmel gefallen sein und die Esten vernichtet haben. Die rote Hintergrundfarbe wird von Historikern auf die kriegerischen Wikinger zurückgeführt. „Dane“ solle ein Stammesname der Wikinger gewesen sein und bedeutet „rot“. „Brog“ steht für „Tuch“ in altdänisch. Das weiße Kreuz entstand unter dem Einfluss des Christentums. Seit 1845 ist das Tuch die offizielle Staatsflagge.

An nahezu allen Einfamilienhäusern kann man an Feiertagen dänische Flaggen sehen. Dennoch profitierte gerade die rechtsradikale „Dansk Folkeparti“ (Dänische Volkspartei) vom dänischen Nationalbewusstsein. Obwohl es dem Land gut geht, die Wirtschaft boomt und die Arbeitslosigkeit mit rund sechs Prozent niedrig ist, sind die Rechtsextremen zum indirekten Koalitionspartner des bürgerlichen Premierministers Anders Fogh Rasmussen geworden. Seit die Karikaturenkrise eskaliert ist, liegen die Umfragen für die „Folkeparti“ mit 14,5 Prozent so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr. Parteichefin Pia Kjaersgaard warnt vor der „islamischen Gefahr“ und möchte nun liebsten Imame wegen „Landesverrats“ aus Dänemark hinauswerfen.

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