Politik : Die Deutsche Bank finanzierte den Bau von Auschwitz mit

FRANKFURT (MAIN)/DÜSSELDORF (ro/HB).Die geplanten Gespräche über die Entschädigung von Holocaust-Opfern, zu denen der Bonner Kanzleramtsminister Bodo Hombach am kommenden Sonntag in die Vereinigten Staaten reist, haben am Donnerstag durch eine Erklärung der Deutschen Bank zusätzliche Brisanz erhalten.Danach hat das Historische Institut des Geldhauses anhand von Unterlagen der Bank herausgefunden, daß die Deutsche Bank den Bau des Vernichtungslagers Auschwitz mitfinanziert habe.Aus den Akten geht hervor, daß mindestens zehn Firmen, die 1942 am Bau des Lagers Auschwitz beteiligt waren und für die Waffen-SS gearbeitet haben, von der Deutschen Bank durch die Vergabe von Krediten unterstützt wurden.

Aus den insgesamt 9,5 Kilometer Akten geht hervor, "daß die Deutsche Bank-Filiale Kattowitz in die Finanzierung von Bauleistungen sowohl auf der Baustelle des I.G.Farben-Konzerns in Auschwitz als auch im Lager der Waffen-SS Auschwitz involviert war".Die Unterlagen wurden im Keller einer Bankfiliale in Hannover gefunden, sagte der Leiter des Historischen Instituts, Professor Manfred Pohl, in der ARD- Sendung "Tagesschau".

Insgesamt handelte es sich um zehn Unternehmen, zu denen Kreditbeziehungen unterhalten wurden.Aufgrund von Sicherungsabtretungen "war die Deutsche Bank über die Auftragslage der einzelnen Baufirmen genau informiert".Daneben unterhielt die Bank direkte Geschäftsbeziehungen zum I.G.Farben-Werk Auschwitz sowie zur Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Berlin und Hamburg.

Der Deutschen Bank sind diese neuen Fakten dem Vernehmen nach erst seit Montag dieser Woche bekannt.Die Führung der Bank bedauerte die jüngsten Forschungsergebnisse.In einem internen Schreiben von Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer an die Mitarbeiter vom Donnerstag heißt es: "Wir sind sehr betroffen über die seinerzeitigen Verstrickungen der Deutschen Bank mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat.Erneut möchte ich im Namen der Bank hervorheben, daß wir geschehenes Unrecht und Leid zutiefst bedauern und uns zu der ethisch-moralischen Verantwortung bekennen." Breuer wies darauf hin, daß sich die Bank seit längerem im Kontakt mit dem World Jewish Congress (WJC) befinde: "Die Deutsche Bank unterstützt insbesondere die Initiative der deutschen Bundesregierung, in Verhandlungen mit den betroffenen Parteien unter Einbindung der Regierungen der USA und Israels eine umfassende Lösung zu finden."

In den USA dürfte der Aktenfund zu einer Verhärtung der Fronten führen und den Anwälten der Holocaust-Opfer neue Munition für ihre Klagen liefern.In den USA wurden bereits drei Sammelklagen gegen die Deutsche Bank und andere deutsche Kreditintitute eingereicht.Der Jüdische Weltkongreß gab zunächst keine Stellungnahme ab, hatte aber schon vor einiger Zeit verlangt, vor einer Genehmigung der Übernahme des Geldhauses Bankers Trust durch die Deutsche Bank müßten die Entschädigungsansprüche von Holocaust-Opfern geklärt werden.Diese Ansicht vertritt auch der Finanzchef der Stadt New York, Alan Hevesi.

Der Münchner Rechtsanwalt Michael Witti, der ehemalige Zwangsarbeiter vertritt, richtete schwere Vorwürfe gegen das Geldhaus."Die Kläger sind zutiefst bestürzt, daß die Unterlagen erst jetzt veröffentlicht werden." Die Bank habe es versäumt, rechtzeitig die Vergangenheit aufzuarbeiten und gewartet, bis der Anspruch in einer Klage formuliert werden konnte."Die Kläger haben über Experten den Zugriff auf weitere Unterlagen." Der Anwalt forderte das größte deutsche Bankhaus auf, dem Beispiel österreichischer Institute zu folgen und "endlich die Ansprüche zu bezahlen".

Der Aktienkurs der Deutschen Bank gab nach der Erklärung des Geldinstituts nach.Nach einem Tageshoch von 50,20 (Vortagesschluß 47,96) Euro rutschte die Notierung zum Handelsschluß auf 48,30 Euro.

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