Politik : Die Deutschen haben so viel Angst wie nie

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Berlin Jeder zweite Deutsche blickt mit Sorge in die Zukunft. Das ergab eine repräsentative Langzeitstudie der R&V- Versicherung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Das ist doppelt so viel wie im Jahr 1991. Die Zukunftsangst in Deutschland befindet sich damit auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren.

In Ost wie West grassiert fast gleichermaßen die Angst vor Arbeitslosigkeit, steigenden Preisen und Wirtschaftsflaute. Die Angst vor Terroranschlägen ist dagegen von 57 auf 48 Prozent zurückgegangen. Zunehmend fühlen sich die Menschen in Deutschland von der schwachen Konjunktur und sozialen Einschnitten auch persönlich betroffen. So stiegen die Angst vor Jobverlust und schwerer Krankheit um jeweils zwölf Prozentpunkte.

„Das ist nachvollziehbar“, sagt Manfred G. Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg und Berater für die Umfrage der R&V. „In der öffentlichen Diskussion häufen sich negative Nachrichten zur Sicherung im Krankheitsfall und zur deutschen Wirtschaft“. Besonders die Angst, im Alter pflegebedürftig, arm und einsam zu werden, hat stetig zugenommen. Hier spiegelt sich nach Ansicht der Verfasser das wachsende Gewicht der Altersgruppe der ab 60-Jährigen wider, deren Anteil in den letzten 15 Jahren von 20 auf 25 Prozent angestiegen ist.

Unter dem Eindruck der Reformdiskussion erodiere auch das Vertrauen der Bürger in die Politik. Zwei Drittel aller Deutschen sind laut Umfrage besorgt, dass die Politiker mit den anstehenden ökonomischen und sozialen Problemen überfordert sind. Die Problemlagen differieren in den Bundesländern. Während in Mecklenburg-Vorpommern 85 Prozent aller Befragten um ihren Job fürchten, sorgen sich 84 Prozent aller Hessen wegen steigender Preise. Die zuversichtlichsten Deutschen finden sich in Schleswig-Holstein und Hamburg. Befragt wurden 2400 Personen. gsa

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