Die digitale Revolution und ihre Folgen : Mein Chef, der Computer

Die Digitalisierung befähigt Computer zunehmend, menschliche Arbeit und Jobs zu übernehmen. Wir müssen daher diskutieren, wie wir uns die Zukunft der Arbeit vorstellen. Ein Kommentar.

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In Zukunft könnten echte Roboter weitere menschliche Jobs überflüssig machen.
In Zukunft könnten echte Roboter weitere menschliche Jobs überflüssig machen.Foto: dpa

Eine Wette: In 20 Jahren können Sie an dieser Stelle Artikel lesen, die kein Mensch recherchiert, formuliert und über seine Tastatur eingegeben hat. Stattdessen werden Sie das Ergebnis eines Algorithmus lesen, der Informationen sammelt, sortiert, bewertet und mithilfe eines selbst lernenden Systems Thesen generiert. Vielleicht hat ein Redakteur das Resultat noch etwas geglättet oder eine zusätzliche Idee eingebracht, vielleicht war der synthetische Text auch ohne das schon gut genug.

Als absurd, eine belächelnswerte Science-Fiction-Anekdote wurde so eine Vorstellung vor nicht allzu langer Zeit abgetan: Gerade ein Meinungsbeitrag braucht die volle Kreativität und Erfahrung eines realen Menschen! Vermutlich nicht. Die Digitalisierung und der rasante Fortschritt bei der Datenverarbeitung ermöglichen es Computern zunehmend, menschliche Fähigkeiten zu entwickeln – und dem Menschen die Jobs wegzunehmen.

Nun erreicht die Automatisierung auch höher qualifizierte Berufszweige

Auf dem Weltwirtschaftsforum, das am Samstag in Davos zu Ende ging, war die digitale Revolution und ihre Folgen für Ökonomie und Gesellschaft eines der großen Themen. Allein in den Industrieländern könnten infolge dieser Entwicklung in den nächsten fünf Jahren fünf Millionen Arbeitsplätze verloren gehen, besagt eine aktuelle Studie. Andere Forscher kommen zu dramatischeren Prognosen, etwa der, dass in den nächsten 20 Jahren die Hälfte der heute in den USA existierenden Jobs verschwinden könnte.

Es geht nicht um Fließbandarbeit wie Schweißen oder Lackieren, dort haben Roboter längst das Kommando übernommen. Nun erreicht die Automatisierung unseren Alltag und auch höher qualifizierte Berufszweige. U-Bahn-Fahrer und Taxichauffeure werden in autonomen Fahrzeugen nicht mehr gebraucht. Anwälte und Sachbearbeiter, die sich durch Akten wühlen, sind ebenfalls bald nicht mehr nötig. Software, die unstrukturierte Daten ordnet und darin komplexe Muster erkennen kann, wird zunehmend eingesetzt. Weil sie oft schneller und besser arbeitet als Menschen. Schon deshalb wird diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten sein.

Die Frage lautet, ob für die wegdigitalisierten Arbeitsplätze anderswo genügend neue Stellen entstehen, etwa in der Entwicklung neuer Software oder für die Wartung der Automaten. Mancher beschwört eine drohende Massenarbeitslosigkeit herauf, die Forderung nach einer allgemeinen 30-Stunden-Woche und einem bedingungslosen Grundeinkommen lebt auf – finanziert unter anderem durch eine „Maschinensteuer“. Wenn der Arbeitnehmer Lohnsteuer bezahlt, so der Gedanke, dann soll auch das besteuert werden, was Roboter erwirtschaften.

Ob die Horrorszenarien eintreffen, ist unklar. Dass die Digitalisierung die Arbeitswelt in weitreichendem Maße verändern wird, ist offenkundig. Wir sollten dringend darüber diskutieren, wie wir uns die Zukunft der Arbeit vorstellen, um die Entwicklung in der Hand zu behalten.

Verweigern können wir uns nicht. Computer sind längst nicht mehr tumbe Rechenmaschinen, sie werden zunehmend zu Kollegen. Wir sollten uns rasch an diesen Gedanken gewöhnen, denn eines Tages sind sie wahrscheinlich auch unsere Chefs, zumindest in der mittleren Führungsebene. Das Verteilen von Aufgaben, je nach Fähigkeiten und zeitlichen Ressourcen der Mitarbeiter, bekommt ein smarter Computer besser hin als ein Mensch. Ob es uns passt oder nicht.

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