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Die Ereignisse des Tages : Das passierte am Mittwoch in Libyen

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat Mitteilungen von US-Diplomaten zur Situation in Libyen veröffentlicht. Unterdessen sind vier italienische Journalisten auf dem Weg nach Tripolis entführt worden.

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Am Mittwochabend (12.10.2011) verkündete der Nationale Übergangsrat in Tripolis, dass der Sohn des langjährigen Machthabers, Mutassim Gaddafi, während der Kämpfe in Sirte in die Hände der Aufständischen gefallen sein soll.Weitere Bilder anzeigen
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12.10.2011 23:51Am Mittwochabend (12.10.2011) verkündete der Nationale Übergangsrat in Tripolis, dass der Sohn des langjährigen Machthabers,...

+++ WikiLeaks stellt US-Dokumente über Libyen online +++

Die auf der Website publizierten Schreiben stammen aus der Zeit vor der Rebellion gegen das Gaddafi-Regime und reichen bis in die 80er Jahre zurück. WikiLeaks teilte im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit, dass insgesamt 349 Libyen-Dokumente veröffentlicht worden seien. So beschreiben amerikanische Diplomaten im August 2009 dem US-Senator John McCain die Situation in Libyen vor dessen Besuch in dem nordafrikanischen Land. Libyen sei ein wichtiger Partner im Kampf gegen Terrorismus, heißt es. „Unsere strategische Partnerschaft in diesem Bereich ist hoch produktiv und nützlich für beide Nationen“, heißt es dort.

Positiv wird in den Schreiben auch der Beginn von Ausbildungsprogrammen eingeschätzt, um Libyen in Sicherheitsfragen zu unterstützen. Außerdem wolle Libyen von US-Firmen „tödliche Waffen“ kaufen. In dem Schreiben an John McCain wird es außerdem als hilfreich begrüßt, wenn der Senator im Kongress auf Perspektiven für mögliche Rüstungsgeschäfte mit Libyen hinwirken könnte. In anderen der von WikiLeaks veröffentlichten Dokumenten wird Libyens Position in der Afrikanischen Union oder die Haltung zu Konflikten in Ländern wie dem Tschad erörtert.

+++ Vier italienische Journalisten in Libyen entführt +++

Vier italienische Journalisten sind am Mittwoch in Libyen entführt worden. Das teilte das römische Außenministerium am Abend in Rom mit. Nach den ersten Angaben handelt es sich um zwei Journalisten des „Corriere della Sera“ sowie um je einen Vertreter der katholischen Zeitung „Avvenire“ und von „La Stampa“. Der regionale italienische Journalistenverband von Latium bestätigte die Entführung. Getreue von Diktator Muammar al-Gaddafi hätten die Journalisten auf dem Weg nach Tripolis angehalten und den Fahrer erschossen. Das habe einer der Entführten per Telefon mitgeteilt. (dpa)

+++ Sarkozy kündigt Libyen-Konferenz für 1. September an +++

Eine große Libyen-Aufbaukonferenz ist vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Mittwoch für den 1. September in Paris angekündigt worden. „In voller Übereinstimmung mit (dem britischen Regierungschef) David Cameron haben wir beschlossen, eine große internationale Konferenz zugunsten des freien Libyens von morgen einzuberufen - um zu zeigen, dass wir uns nun mit der Zukunft befassen“, sagte Sarkozy nach einer Unterredung mit Rebellenchef Mahmud Dschibril im Élyseepalast. (dpa)

+++Ausländische Journalisten in Tripolis wieder frei +++

Die in einem Hotel in Tripolis von Gaddafi-Anhängern eingeschlossenen Journalisten sind wieder frei. Wie die Medienvertreter am Mittwochnachmittag in der libyschen Hauptstadt bekanntgaben, konnten sie das Gebäude gegen 15 Uhr MESZ verlassen. Mit Kalaschnikows bewaffnete Anhänger von Machthaber Muammar el Gaddafi hatten die mehr als 30 Journalisten seit Sonntag im Hotel Rixos in der Nähe der in der Nacht von den Rebellen gestürmten Gaddafi-Residenz festgehalten. Einige von ihnen wurden direkt bedroht. Aus Furcht vor Kämpfen zwischen Rebellen und Kämpfern Gaddafis hängten einige Medienvertreter zwischenzeitlich Banner mit den Worten „TV“ oder „Presse, nicht schießen“ auf. (AFP)

+++Libyscher Übergangsrat kündigt Wahlen in acht Monaten an+++

Der Chef des Nationalen Übergangsrats der libyschen Rebellen hat Wahlen in acht Monaten angekündigt. Der italienischen Zeitung „La Repubblica“ vom Mittwoch sagte Mustafa Abdel Dschalil, es werde Parlaments- und Präsidentschaftswahlen geben. Gewünscht sei eine „demokratische Regierung“ und eine „gerechte Verfassung“. Der ehemalige Justizminister von Machthaber Muammar al-Gaddafi fügte hinzu: „Vor allem wollen wir nicht mehr wie bis jetzt vom Rest der Welt isoliert sein.“ Das „neue Libyen“ müsse sich von der Vergangenheit unterscheiden und auf den „Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ aufgebaut sein.

Was Gaddafi angeht, ist die vorherrschende Meinung innerhalb des Übergangsrats laut Dschalil, dass ihm und seiner „Bande“ in Libyen ein „fairer Prozess“ gemacht werden soll. Dazu sollten die Anzuklagenden „lebend festgenommen“ und anders behandelt werden, als Gaddafi seine Gegner behandelt habe. Der langjährige Machthaber wird seit Juni per Haftbefehl wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht.

Diese Männer könnten den Übergang vollziehen
Die libysche Übergangsregierung in Bengasi strebt nach der Macht für die Zeit nach dem Gaddafi-Regime. Doch wer kann das Land führen? Seit Beginn des Bürgerkrieges sind viele ehemalige Gaddafi-Getreue übergelaufen. Der Nahost-Experte Udo Steinbach rechnet damit, dass die in den Nationalen Übergangsrat gewechselten Vertreter des alten Regimes noch eine Weile eine gewisse politische Rolle spielen werden, aber früher oder später abtreten. Ihre Aufgabe sei nun, den Machtübergang so zu organisieren, dass alle Libyer das Gefühl haben, partizipieren zu können.Alle Bilder anzeigen
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23.08.2011 10:02Die libysche Übergangsregierung in Bengasi strebt nach der Macht für die Zeit nach dem Gaddafi-Regime. Doch wer kann das Land...

Die Gaddafi-Ära sei bereits vorbei, auch wenn der Machthaber noch nicht festgenommen und für die von ihm verurteilten Verbrechen verurteilt worden sei, betonte Dschalil. Noch gebe es zahlreiche „Widerstandsnester“ in der Hauptstadt und eine starke Konzentration von Gaddafi-treuen Truppen im Gebiet von Sirte, aus deren Umgebung der bisherige libysche Machthaber stammt.

Der Koordinator des Nationalen Übergangsrats in Großbritannien, Guma el Gamaty, versicherte unterdessen, dass eine von der Rebellion gebildete Regierung, die unter Gaddafi abgeschlossenen Verträge einhalten werde. In einem Interview der BBC versprach Gamaty, dass „alle, deren Hände nicht mit Blut befleckt“ seien, „normal behandelt“ würden. (AFP)

+++Gaddafi ruft in zweiter Audiobotschaft zum Widerstand auf+++

Eine lokale Radiostation habe einen Aufruf von einem Mann verbreitet, bei dem es sich um Gaddafi handle, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Darin habe er die Libyer aufgefordert, die Hauptstadt Tripolis von den Aufständischen „zu säubern“. Gaddafi habe den Aufständischen Folter vorgeworfen. Sie würden Gegner „exekutieren“.

Auch einen Tag nach der Erstürmung des militärischen Hauptquartiers war unklar, ob sich Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis versteckt hat oder ob er in den Süden des Landes geflüchtet ist. Ein Rebellensprecher sagte, die Frage sei nicht mehr, wo sich Gaddafi aufhalte, sondern nur noch, wann er festgenommen werde.

Muammar Gaddafi soll im Falle seiner Festnahme zunächst in Libyen der Prozess gemacht werden, bevor er an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert wird. Dies erklärte ein Sprecher des Nationalen Übergangsrats der Rebellen. Man gehe davon aus, dass Gaddafi noch im Land sei.

Die Rebellen geben die Zahl der Toten bei der Eroberung von Tripolis mit mehr als 400 an. Mindestens 2000 Menschen seien zudem verletzt worden, erklärt ein Sprecher der Aufständischen im Sender Al-Arabija. Der Vorsitzende des Übergangsrates der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, kündigte an, dass die Kämpfe fortgesetzt würden, bis Gaddafi gefasst sei. Dschalil zufolge kontrollierten Gaddafis Kämpfer noch immer drei Stadtteile von Tripolis. (dpa/rtr)

+++ China: Libyens Wiederaufbau soll von UN geführt werden +++

Libyens Wiederaufbau soll nach den Vorstellungen Chinas von den Vereinten Nationen angeführt und koordiniert werden. Dies sagte Außenminister Yang Jiechi in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Damit solle vermieden werden, dass allein westliche Staaten vom Wiederaufbau profitierten. (rtr)

Was in der Nacht zu Mittwoch geschah, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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