Politik : Die erste Auslandsreise - ein kleiner Wink des neuen Kommissionspräsidenten (Kommentar)

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Ganz Europa wird es hören und lesen. Wohin geht Romano Prodis erste Auslandsreise? Paris? London? Nein, der neue Präsident der EU-Kommission, reist nach - Auschwitz und Birkenau. Zeugen deutscher Schuld in Polen und darüber hinaus. Ein Zeichen für den Kampf um Menschenrechte sei es, das Prodi für seine Kommission setzen wolle, sagt sein Sprecher. Aber das Zeichen zeigt noch weit mehr, auch über Prodi: Der Kommissionspräsident kommt auf diesem Weg dem polnischen Präsidenten entgegen, der die Aufnahme seines Landes in die Europäische Union gleichsam zur moralischen Pflicht erklärt hat. Und er tritt allen entgegen, die am Ende dieses Jahrhunderts nur noch vorwärts schauen wollen. Das ist nun wirklich eine subtile Form, dem neuen deutschen Kanzler, dem aus der nur noch mäßig zerknirschten Zwischengeneration, zu sagen, dass den Deutschen eben doch nicht alles vergeben und vergessen ist. Sie werden, das macht Romano Prodi nicht nur so nebenbei klar, diese Bürde mitnehmen ins nächste Jahrhundert; aber sie werden sie ja weiter abarbeiten können durch Kooperation. Eine Kooperation im Übrigen, die sich der Präsident bei der Zusammensetzung seiner Kommission von den Deutschen, von Kanzler Schröder anders erwartet hätte. Man merkt, dass Prodi sich vorgenommen hat, europäischer Regierungschef zu sein.

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