Politik : Die falsche Wahl (Kommentar)

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Die Führung der letzten überlebenden Kolchose - Weißrussland - steht unter Druck. Lange sah das Volk artig auf zum Kolchosdirektor Lukaschenko, redete ihn ehrfürchtig mit "Bazka" (Väterchen) an. Neuerdings rebellieren die Massen in den Straßen von Minsk. Die reichen Nachbarn aus dem Westen kommen schon lange nicht mehr zu Besuch. Jetzt drohen sie damit, das Reich des Diktators Lukaschenko zu isolieren. Der kommende Gipfel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) soll Weißrussland für seine Menschenrechtsverletzungen an den Pranger stellen. Doch "Väterchen" Lukaschenko besinnt sich auf seine Bauernschläue. Parlamentswahlen soll es geben, beeilt er sich zu versichern, schon im kommenden Jahr und dazu noch völlig frei.Zu trauen ist diesen eilfertigen Versprechungen des bekennenden Hitler-Verehrers Lukaschenko nicht. Zum einen hat er die Opposition im Land brutal zerrieben: Ihre geistigen Führer wurden ins Exil getrieben, zu Haftstrafen verurteilt oder durch "plötzliches Verschwinden" unschädlich gemacht. Zum anderen verspricht Lukaschenko die falsche Wahl: Laut Verfassung ist seine Amtszeit seit einem halben Jahr abgelaufen. Nicht über das Parlament, sondern über das Präsidentschaftsamt müssten also die Weißrussen dringend neu entscheiden. Das aber wird der Kolchosdirektor zu verhindern wissen.

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