Politik : Die FDP: Leicht, aber gewichtig

Antje Sirleschtov

Berlin - So richtig euphorisch nach den Sternen greifen wollte Holger Zastrow auch eine Stunden nach der Landtagswahl in Sachsen noch nicht. Obwohl der 35 Jahre alte FDP-Landeschef seine Partei nach langer Abstinenz mit knapp sechs Prozent wieder in den Landtag gebracht hatte. Das allein sei zwar „ein sensationeller Erfolg“. Ob er damit allerdings am Ende auch in die Landesregierung einziehen wird, das war zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz ausgemacht. Denn bis zum Schluss mussten die Grünen in Dresden um die Fünf-Prozent-Hürde bibbern, und von deren Ergebnis hing es letztlich ab, welche Koalitionsspiele CDU-Ministerpräsident Georg Milbradt in den kommenden Wochen eingehen muss. „Mal sehen“, sagte Zastrow optimistisch, „ob mich in den nächsten Tagen einer anruft.“

Für die FDP-Generalsekretärin der BundesFDP spielten solche lokalen Feinheiten am Sonntagabend eher eine untergeordnete Rolle. „Wunderschön“ nannte Cornelia Pieper diesen Wahltag und erkannte allein am Abschneiden ihrer Partei in Sachsen, dass die FDP nunmehr „die drittstärkste gesamtdeutsche Kraft“ und obendrein eine „Bürgerpartei“ sei, die ein „Signal für den Regierungswechsel in Berlin“ gesetzt habe.

Sollte Zastrows Sachsen-FDP der Doppelsprung ins Parlament und in die Regierung tatsächlich gelungen sein, will er den Geruch der Liberalen, Mehrheitsbeschaffer der Union zu sein, abschütteln. Nach 15 Jahren Alleinherrschaft der CDU sollen die sächsischen Bürger liberale Veränderungskraft verspüren, insbesondere in der Mittelstands- und Bildungspolitik. Er selbst, hatte der Jungunternehmer im Wahlkampf immer wieder versprochen, wolle dafür seine Erfahrungen einbringen. „Wir werden uns nicht billig hergeben“, bestätigte er seine Pläne dann am Sonntagabend noch einmal.

Für den Potsdamer FDP-Spitzenkandidat Heinz Lanfermann hat es dagegen definitiv nicht zum Parlamentseinzug gereicht – obwohl das Wahlergebnis von 3,5 Prozent im Vergleich mit der Wahl vor vier Jahren eine Verdoppelung bedeutet. In der Berliner FDP-Zentrale nahm man das Brandenburger Ergebnis dennoch gelassen: Eine gute Basis, hieß es dort, sei geschafft.

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