Die FDP nach der NRW-Landtagswahl : Lindner - und sonst?

Die FDP wirkt von ihrem Erfolg selbst ein bisschen überrascht: Jetzt muss sie zeigen, was sie mit einem „Politikwechsel“ konkret meint.

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Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP
Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDPFoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

"Es gibt ja keine Alternative.“ Als Christian Lindner diesen Satz am Montagmorgen in die Kameras sagt, sieht man ihm die Reue schon ein bisschen an. Keine Alternative zu ihm selbst soll es geben? Dazu, dass er ganz allein Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen war und nun im Bundestagswahlkampf sein wird, dass er in Düsseldorf als Fraktionschef die Koalitionsverhandlungen führen will, Abgeordneter im Landtag sein wird und dann auch noch allein an der Spitze der Bundes-FDP steht? Alternativlos. Klingt das nicht anmaßend?

Die FDP als One-Man-Show des Christian Lindner, wie sich alles auf ihn fokussiert: Er selbst und nicht nur er in der FDP fürchten sich vor diesem Bild.

Denn es erinnert gar zu deutlich an Guido Westerwelle, der einst die FDP so stark auf sich selbst zugeschnitten hatte, dass neben ihm kaum noch Platz für andere Liberale war – und dessen Hybris dann zum Untergang der Partei beitrug. Jahrelang hat Lindner als Chef der FDP gegen dieses Bild gearbeitet, Beteiligungsprozesse bei der Neuausrichtung der Partei organisiert, neue Gesichter in Ämter gehoben und jedem und jeder Demut im Auftritt gepredigt. Nur nicht in die Westerwelle-Falle der Selbstüberhöhung tappen: Das war die Devise.

Die FDP will bunt und vielfältig wirken - das ist nicht ganz einfach

Und nun steckt er auf einmal selbst drin. Kaum, dass seine FDP in Nordrhein-Westfalen ein „historisches“ Ergebnis von 12,6 Prozent eingefahren hat und sogar mitregieren kann, muss er sich für seine Doppelrolle rechtfertigen. Mehrfach hält Lindner an diesem Montag dagegen, spricht von seiner „Strategie der personellen Verbreiterung“ und verweist darauf, dass nicht er, sondern die Basis der nordrhein-westfälischen FDP in einer Mitgliederbefragung über einen Koalitionsvertrag entscheiden werde – sollte es überhaupt zu einer Regierungsbeteiligung kommen.

Und auch gegen diese Erinnerung an dunklere liberale Zeiten muss Lindner zwischen dem Wahlsieg in Düsseldorf und dem vor ihm liegenden Bundestagswahlkampf angehen: Mit einer Beteiligung an einer schwarz-gelben Regierung in NRW, die nach der Wahl vom Sonntag möglich ist, könnte der Verdacht keimen, noch immer Anhängsel der CDU zu sein. Lindner weiß, dass ihn das im Bundestagswahlkampf Stimmen kosten könnte und er betont also die „Eigenständigkeit“ und die „Antreiber-Rolle“ seiner Partei.

Nur bei einem „echten Politikwechsel“ wolle die FDP in eine Koalition mit der CDU in NRW eintreten, sagt er. Wenn der nicht möglich sei, werde man lieber in der Opposition bleiben.

Knapp vier Jahre ist es jetzt her, dass die Wähler die FDP nicht nur aus der Regierung, sondern auch gleich noch aus dem Bundestag warfen. Der Schmach folgten Jahre, in denen Lindner die FDP neu aufgestellt hat. Nach den beiden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen könnten nun die Chancen auf einen Wiedereinzug am 24. September kaum besser stehen. Doch hängen die Schatten der Vergangenheit noch über der Partei.

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