Politik : Die Feindbilder werden rar (Kommentar)

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Einst gehörten die Ostermärsche zum Fest wie die Ostereier. Das war einmal. Jetzt kommen die Demonstrationen der Friedensbewegten daher wie der Schnupfen, den man sich in den ersten warmen Frühlingstagen holt: lästig, aber unvermeidlich. So werden sie also wieder marschieren, gegen Wehrpflicht und für Wiedergutmachung der Schäden in Jugoslawien. Nur werden dieses Jahr wieder einige weniger dabei sein. "Stell dir vor, es ist Krieg - und alle machen mit": Im vergangenen Jahr wurde der bitterböse Galgenhumor von der Wirklichkeit überholt. Nach etlichen ganz mageren Jahren marschierten mehrere Zehntausend mit - gegen die Nato-Angriffe auf Jugoslawien. Zugleich aber wurde deutlich, dass Frieden verdammt kompliziert sein kann. Fast alle nahmen für sich in Anspruch, gegen den Krieg zu sein: die einen gegen den der Serben im Kosovo, die anderen gegen den der Nato. Plötzlich fanden sich alte Bündnisgefährten der Grünen in gegnerischen friedenspolitischen Schützengräben wieder. Die Welt wird komplizierter, die einfachen Feindbilder rar. Wehmütig erinnert man sich des Frühjahres 1991, als die USA den Irak angriff. Da funktionierte noch die Einteilung in gut und böse, oder? Aber bloß nicht aufgeben. Der nächste Auslandseinsatz der Bundeswehr kommt bestimmt.

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