Politik : Die Ferien des Präsidenten

Von Harald Martenstein

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Der neu gewählte französische Präsident Sarkozy macht Urlaub auf einer Luxusjacht, der Urlaub kostet 200 000 Euro. Er muss das nicht zahlen. Der Besitzer der Jacht, ein Unternehmer, mit dem er seit längerem befreundet ist, hat ihn eingeladen. In Frankreich ist die Empörung groß, selbst Sarkozys eigene Partei steht nicht geschlossen hinter ihm. Sarkozys Programm sieht den Ausstieg aus der 35-Stunden-Woche und Kürzungen sozialer Ausgaben vor.

Ich verstehe diese Aufregung nur zum Teil. Sarkozy hat immer gesagt, dass er für die Unternehmer ist. Insofern ist er unbestechlich, denn kein Unternehmer muss sich die Mühe machen, jemanden zu bestechen, der ohnehin für die Unternehmer ist. Sarkozy hat immer gesagt, dass es den Wohlhabenden besser gehen muss, damit am Ende auch die Unwohlhabenden etwas davon haben. Ich weiß nicht, ob diese These stimmt, aber politische Aussagen und Lebensstil passen zusammen. Außerdem, warum sollen Politiker nicht schick leben? Hat der Wolfgangsee aus Helmut Kohl einen besseren Menschen gemacht? Lafontaine lebt gut. Marx hat gut gelebt. Die meisten großen Denker des Sozialismus stammten aus wohlhabenden Kreisen und liebten – ganz offen! – das gute Leben, dies hat sie nicht daran gehindert, über das Los der Armen nachzudenken. Der Milliardär Bill Gates stiftet gigantische Geldmengen, er ist wohl ein guter Mensch, und er lebt gut. Das soll man mal nicht so protestantisch sehen.

Interessanter als die Frage, ob ein Politiker das gute Leben liebt, ist die Frage, ob er die Wahrheit liebt. Sarkozy hat seinen Sprecher verbreiten lassen, er ziehe sich in ein Kloster zurück, um, was zweifellos nötig ist, in aller Ruhe über die Zukunft Frankreichs nachzudenken. Es war ihm peinlich, auf der Jacht entdeckt zu werden. Sarkozy ist nicht nur ein Lügner – so nennt man doch Leute, die Unwahrheiten verbreiten, oder? –, er ist noch dazu ein schlechter Lügner, denn das Schiff ist groß und die Schmutzpresse tüchtig und Sarkozy sehr bekannt. Wie konnte er glauben, dass niemand ihn entdeckt?

Sarkozy hätte sagen können: „Ich gebe zu, ich liebe den Luxus. Meine Politik soll dafür sorgen, dass mehr Franzosen sich Luxus leisten können. Ich will die Entfesselung des Kapitalismus. Lest mein Programm, und ihr versteht meinen Urlaub.“ Wie kann der Neoliberalismus recht haben, wenn sogar die Neoliberalen sich schämen, öffentlich ein neoliberales Leben zu führen?

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