Politik : Die Flucht vor der Zuflucht

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Von moritz kleine-Brockhoff,

Jakarta

In Südaustraliens Wüste ist es im Moment nachts so kalt wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Polizei glaubt, dass dort zehn Asylsuchende, die aus dem Internierungslager Woomera ausbrachen, bei minus 5 Grad im Freien schlafen müssen. Möglich ist aber auch, dass sie von ihren Fluchthelfern versteckt werden. Am vergangenen Donnerstag hatten Kritiker der australischen Einwanderungspolitik ein Loch in den Zaun des berüchtigten Lagers geschnitten. 35 Afghanen, Iraker und Iraner entkamen.

In Woomera sind Asylsuchende eingesperrt, die illegal nach Australien gelangten. Zehn der in der vergangenen Woche Entkommenen werden noch vermisst, die anderen hatten sich gestellt oder wurden wieder festgenommen. Sie mussten bereits vor Gericht, wegen ihres Ausbruches könnten sie Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren erhalten. „Ich hoffe, dass sich diejenigen, die noch auf der Flucht sind, bald stellen“, hatte Australiens Ministerpräsident John Howard kurz vor seinem Abflug nach Berlin gesagt.

Howard erwartet, dass der Umgang mit illegalen Einwanderern eines der Hauptthemen seiner Europareise sein wird, berichtet die staatliche australische Rundfunkanstalt ABC. Er besucht außer Deutschland auch Griechenland und Italien, außerdem wird er in Brüssel mit Vertretern der Europäischen Kommission sprechen. Weil die EU ihre Außengrenzen seit einigen Jahren besser schützt, versuchten viele Flüchtlinge aus dem mittleren Osten nicht mehr nach Europa, sondern nach Australien zu gelangen. Der konservative Howard reagierte mit einer harten Linie, die international kritisiert und in Australien mit einer deutlichen Wiederwahl belohnt wurde. In der Praxis sieht sie so aus: Illegal nach Australien einzureisen, ist fast unmöglich. Wer es doch schafft, wird eingesperrt und erhält meist kein Asyl.

Abschreckend sind Fernsehbilder aus dem Internierungslager Woomera, wo einige der illegal Eingewanderten hinter hohen Zäunen und Stacheldraht untergebracht sind. Ein Asylsuchender versuchte, sich per Sprung auf den Stacheldraht umzubringen, andere nähten sich die Lippen zusammen, es gab mehrere Aufstände, die jüngste Flucht ist die zweite in drei Monaten. 100 der 210 Insassen sollen im Hungerstreik sein.

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