Politik : …die Franzosen die Gänse austricksen

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Stopflebern sind viel älter als Frankreich. Aus gestopften Winterlebern macht man am besten Parfaits oder Terrinen. Oh, la, la, das schmeckt. Die gestopften Lebern, die im Sommer auf den Tisch kommen, sind kleiner und haben keinen so großen Fettgehalt. Man nimmt die Leberscheiben, wendet sie ein wenig in Mehl und brät sie dann in einer sehr heißen Pfanne von beiden Seiten an. Besonders gut eignet sich dazu eine dieser sehr alten Eisenpfannen, die über dem Feuer ruhig rot werden darf. Fett muss man nicht hinzugeben, das Fett der Stopfleber reicht aus. Und dann die kurz angebratenen Leberscheiben zu Blattsalat reichen, oh, la, la, das schmeckt auch sehr fein.

Im Grunde genommen ist die Stopfleber ein Produkt der Natur, sie ist sozusagen der Natur abgeschaut. Das geschah vor etwa 2500 Jahren, als die Ägypter beobachteten, dass die Zugvögel vor Beginn ihrer Reise fraßen wie die Scheunendrescher. Die alten Ägypter, schlau, wie sie nun mal waren, nahmen das Angebot der Zugvögel gerne an und überredeten die Zugvögel, Abstand zu nehmen von der Reise. Schon hatten sie die dicksten und fettesten Enten und Gänse. Man könnte also sagen, dass die Viecher selber schuld sind, wenn man sie mästet. Sie wollten es ja nicht anders. Man muss auch auf der kulinarischen Seite noch erwähnen, dass die Vögel in der Folge, unter anderem von den Römern, nicht nur mit Getreide gemästet wurden, sondern mit Feigen, Datteln, eingeweichtem Weißbrot oder Nudeln aus Gerste. Das ist doch nicht schlecht, oder? Sie hatten noch ein feines Leben, bevor ihre Lebern durch all diese Zutaten einen superben Geschmack abgaben.

Leider gibt es neben der kulinarischen Seite noch eine kulturelle. Frankreichs Abgeordnete haben jetzt die Stopfleber zum nationalen Kulturerbe erklärt. In gleichsam stalinistischer Einmütigkeit übrigens. Perfide umgehen sie damit Tierschutzbestimmungen. Es ist nämlich schon vorgekommen, dass manche Vögel satt waren und trotzdem noch Nudeln, Datteln, Körner in sich reingestopft bekamen, durch Trichter. Schön ist das nicht. Tieren wie Tierschützern gefällt das gar nicht. Das erinnert irgendwie an die eigene Kindheit, als man erst aufstehen durfte, wenn alles, alles aufgegessen war.

Und was macht man jetzt mit der politisch so unkorrekten Leber? Mit Butter, etwas Cognac, Zwiebeln, Pistazien, Sahne, Salz, Pfeffer, Thymian zu einer Farce verarbeiten, in eine Kastenform streichen, abdecken und zwölf Stunden in den Kühlschrank stellen. Anschließend in Scheiben schneiden. Und dann noch reifen Burgunder. Oh, la, la.uem

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