Politik : Die Frauenfraktion

Schlauch und Müller werden die Bundestagsgrünen nicht mehr führen – Krista Sager und Katrin Göring-Eckardt stehen bereit

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Von Hans Monath

Schneller als erwartet hat bei den Grünen das Postenroulette begonnen. An der Spitze der Bundestagsfraktion wird es neue Gesichter geben. Die bisherigen Fraktionsspitzen Kerstin Müller und Rezzo Schlauch verzichten auf eine Wiederwahl und streben neue Aufgaben an, wie sie am Donnerstag in einem Brief an die 53 übrigen Abgeordneten der Grünen mitteilten.

Nachdem Angela Merkel die Unionsfraktion übernommen hat, rechnen sich nun auch bei den Grünen zwei Frauen Chancen aus: Die bisherige Parlamentarische Geschäftsführerin Katrin Göring-Eckardt aus Thüringen, meldete ihren Anspruch an und brachte als weitere Vorsitzende die frühere Hamburger Wissenschaftssenatorin Krista Sager ins Gespräch. „Ich kann mir das vorstellen, weil wir uns gut ergänzen würden“, sagte Sager dem Tagesspiegel. Die über die Landesliste überraschend in den Bundestag gewählte Ex-Parteichefin (1994-96) ist erstaunt über das Angebot, das ihr auch von anderen Abgeordneten unterbreitet worden sei: „Das kommt alles sehr schnell für mich.“ Auch der Umweltexperte Reinhard Loske und der Ostdeutsche Werner Schulz hatten Interesse angemeldet. Als Parlamentarischer Geschäftsführer will sich Volker Beck bewerben.

Joschka Fischer, an dem in der Partei niemand mehr vorbeikommt, war einige Tage lang unsicher, ob er Schlauch unterstützen solle. Fritz Kuhn hatte Ansprüche auf dessen Posten erhoben. Zudem stand Schlauch auf wackeligem Posten, da ihm viele in Partei und Fraktion mangelnde Standfestigkeit gegenüber dem Kanzler vorhalten und in der Bonusmeilen-Affäre ein privater Flug seine Integrität beschädigte.

„Wir wollen in diesem Brief an Euch Klarheit über unsere eigenen Pläne schaffen", heißt es in dem Schreiben der Fraktionschefs. Freilich verraten sie nicht, wohin es sie zieht. Für Schlauch könnten die Grünen einen Job im Kanzleramt fordern – dann hätte er nur Freund Schröder über sich. Wie gut, dass Müller und Schlauch dem Verhandlungsteam der Grünen angehören.

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