Politik : Die Freiheit des anderen

UN-Bericht: Politik muss gegen Diskriminierung kämpfen – kulturelle Vielfalt fördert Entwicklung

Marc Hasse

Berlin - Die Salomonen sind klein, aber man kann von ihnen lernen. Auf der Inselgruppe im Südpazifik, nordöstlich von Australien, leben Hunderte von Stammesgruppen, die mehr als 70 Sprachen sprechen. Eine Anhäufung unterschiedlicher Ethnien also – und damit scheinbar viel Konfliktpotenzial. Tatsächlich kam es auf der größten Insel Guadalcanal von 1998 bis 2000 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den ursprünglichen Bewohnern und Einwanderern aus der benachbarten Provinz Malaita – tausende Malaiter wurden von der Insel vertrieben. Inzwischen steht fest, dass die angeblich ethnische Fehde tatsächlich ein Kampf um die knappen Ressourcen war. Das Friedensabkommen von 2000 betont deshalb die Notwendigkeit, die „ethnische Harmonie“ auf den Salomonen wiederherzustellen.

Am Donnerstag wurde in Brüssel der Bericht zur menschlichen Entwicklung 2004 vorgestellt, der vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) in Auftrag gegeben worden war. Die Salomonen werden als ein Beispiel dafür genannt, dass viele ethnische Konflikte in Wahrheit nicht auf die kulturelle Vielfalt in einem Land zurückzuführen sind. Im Gegenteil: Die Freiheit, kulturelle Vielfalt leben zu können, sei eine Voraussetzung für die Entwicklung von Gesellschaften. Um die von den UN gesteckten Millenniums-Entwicklungsziele zu erreichen und Armut zu beseitigen, müssten zunächst „integrative, kulturell vielfältige Gesellschaften“ geschaffen werden, schreibt UNDP-Chef Mark Malloch Brown in dem Bericht.

Mehr als 5000 verschiedene ethnische Gruppen leben in den etwa 200 Ländern der Erde. Ein Siebtel der Weltbevölkerung, etwa 900 Millionen Menschen, werde auf Grund seiner rassischen, religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit dikriminiert. Als ein Beispiel führt der Bericht die Roma in Rumänien an, deren Lebenserwartung, Bildungsstand und Einkommen deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegen.Wenn kulturelle Freiheit aber gelebt werden könne, sei dies eine mögliche Quelle politischer Harmonie und ökonomischer Vitalität. Beispiele für einen solchen Erfolg seien die USA und Kanada, die von der Einwanderung profitiert hätten.

Die Autoren fordern, multikulturelle Gesellschaften zu stärken, beispielsweise durch die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft und der Förderung der Zweisprachigkeit. So wird etwa in der neuen afghanischen Verfassung den zwei wichtigsten Sprachen im Land ein gleichberechtigter Status verliehen, gleichzeitig werden die Sprachen der Minderheiten anerkannt.

Politik müsse Diskriminierung bekämpfen, so die Autoren. Als positives Beispiel nennen sie Indien, das benachteiligte Gruppen seit langem gezielt fördere. Dadurch habe sich die Zusammensetzung der indischen Mittelklasse inzwischen deutlich verändert.

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