Politik : Die ganze Welt betet

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Seit in der Nacht zum Freitag der Vatikan verkündete, wie schlecht es um den Papst steht, kommen die Gläubigen zusammen, um für ihn zu beten. Sie treffen sich in spontan oder extra anberaumten Gottesdiensten und gedenken eines Mannes, der über 26 Jahre an der Spitze der katholische Kirche gestanden hat.

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Auf KUBA, dem der Papst 1998 einen ebenso historischen Besuch abgestattet hatte, verbreiteten sich die Details über die letzten Stunden des Katholischen Kirchenoberhauptes nur zäh. Die Kirche unterhält gespannte Beziehungen zum erklärt atheistischen, kommunistischen Regime. Am Freitagabend durfte Kardinal Jaime Ortega aber im Staatsfernsehen in drei Minuten den „Botschafter des Friedens und der Hoffnung“ als „moralische Leitfigur der Menschheit“ würdigen und um Beistandsgebete bitten. san

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Im brasilianischen Sao Paulo las Kardinal Claudio Hummes eine Messe und bat Gott um Beistand für den Sterbenden. Die Zuhörer machten sich auch Gedanken über die Zukunft. „ BRASILIEN verdient, den nächsten Papst zu stellen“, sagte eine Frau. In Lateinamerika lebt knapp die Hälfte der über eine Milliarde Katholiken; Brasilien ist mit 125 Millionen Gläubigen das größte katholische Land der Erde. san

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Die Sorge und die Trauer um Johannes Paul II. eint POLEN. Die Regierungspartei SLD sagte den für Samstag geplanten Start ihrer Kampagne für Europas Verfassung angesichts der Meldungen aus Rom wieder ab. Nicht nur die Katholiken, Christen aller Konfessionen beteten für den Papst. In der Warschauer Synagoge betete Polens Oberrabiner Michael Schudrich für den Papst, über den er sagte: „Kein Mensch in der Geschichte der Kirche hat so viel für den Dialog getan wie er.“ In Wadowice, der Geburtsstadt des Papstes, harrten viele Menschen die ganze Nacht in der Kirche aus. Für viele Polen ist der Gedanke an ein Leben ohne „ihren“ Papst unvorstellbar. dpa

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Im US-Fernsehen war das Sterben des Papstes seit Freitagmorgen „Breaking News“. Gläubige in den USA versammelten sich in vielen Kirchen immer wieder zum Gottesdienst. In der berühmten St. Patrick’s Cathedral in New York fanden allein am Freitag drei Trauergottesdienste statt, an denen rund 1500 Menschen teilnahmen. mbk

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