Politik : Die Gedanken sind frei

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wer verrückte Ideen entwickeln will, braucht Muße, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Wenn wir hier hinter den Linden etwas Zeit übrig haben, überlegen wir uns zum Beispiel Regierungskonstellationen für die Zeit nach dem 22. September. Da erscheint es uns plötzlich total einleuchtend, dass Peter Struck in einer sozial-liberalen Koalition einen prima Sozialminister abgeben würde. Ein ehemaliger Fraktionschef muss schließlich alles können, warum also nicht auch Gesundheit und Rente? Und der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller könnte die Ressorts Arbeit und Wirtschaft leiten, in unserem schönen Gedankenexperiment zur Bundestagswahl. Das erscheint Ihnen wenig plausibel?

Viel Zeit für unkonventionelle Ideen scheint derzeit auch der PDS-Politiker Gregor Gysi zu haben. Seit er nicht mehr Wirtschaftssenator in Berlin ist, mausert er sich wieder zum kreativen Vordenker der Sozialisten. Am Wochenende dachte er laut darüber nach, dass man den Termin für die Bundestagswahlen verschieben könne. Wegen der Hochwasser-Katastrophe. Böse Zungen unterstellten, er sehe mit der Flut die Wahlchancen der PDS davonschwimmen – und wolle daher einen Aufschub gewinnen.

Gysis Kreativität wird nicht honoriert: Der Sprecher der Bundesregierung, Uwe-Carsten Heye kommentierte: „Herr Gysi hat sich aus dem Verantwortungsspektrum der Politik entfernt.“ Innerhalb der PDS sieht man die Äußerungen gelassener – und schließt sich Gysis Forderung einfach nicht an. Der PDS-Fraktionsvorsitzende Roland Claus merkt an: „Da sieht man mal, welche geistige Befreiung entsteht, wenn man lästige Ämter nicht mehr hat.“ Cordula Eubel

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