Politik : Die Gedenkfeier im Reichstag - ein Moment der Dankbarkeit (Kommentar)

apz

Am Anfang stand die zu späte, aber notwendige Debatte über die Zusammensetzung der Rednerliste für die Feier zum 10. Jahrestag des Mauerfalls. Am Ende aber steht eine positive Bilanz: Im Gegensatz zu vielen, von Phrasen geprägten Gedenkveranstaltungen erlebten die Gäste gestern im Reichstagsgebäude eine anrührende und sowohl von Dankbarkeit als auch von Verantwortungsbewusstsein getragene Auseinandersetzung mit der glücklichsten Stunde der deutschen Geschichte in diesem Jahrhundert. Zehn Jahre nach einem Ereignis, das die Welt verändert hat, war der Moment der großen und alle Beteiligten umfassenden versöhnenden Gesten gekommen. Dabei wurde offenbar, dass in unserer sich gelegentlich so abgeklärt gebenden Welt letztlich etwas sehr Altmodisches entscheidend dafür war, dass die deutsche Einheit möglich wurde: Die Vertrautheit der entscheidenden Personen miteinander. Die Stunde im Reichstag würde vor der Geschichte nicht bestehen können, wenn nicht auch immer wieder an den 9. November 1938 erinnert worden wäre, den Tag, an dem für die Welt erkennbar Deutschlands Weg in die Schande begonnen hatte. Die Linie zwischen beiden Daten, dem von 1938 und den von 1989, führt durch alle Tiefen und Höhen der nun wiedervereinten Nation.

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