Politik : Die Geiseln sind bei ihren Familien

Entführte erfuhren erst vor zwei Tagen von ihrer Freilassung / Rau lädt Malis Präsidenten zum Dank nach Deutschland ein

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Berlin (Tsp). Ein halbes Jahr nach ihrer Entführung in der algerischen Wüste sind 14 SaharaTouristen am Mittwoch nach Deutschland zurückgekehrt. Die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer sind am frühen Mittwochmorgen aus Mali ausgeflogen und dann in ihre Heimatorte gebracht worden. Der Staatssekretär im Außenamt, Jürgen Chrobog, erinnerte an die Ende Juni verstorbene Geisel Michaela Spitzer: „Sie ist im Kreise der anderen Geiseln gestorben, was ein besonders schlimmes Erlebnis war für die, die heute zurückgekommen sind.“

Bundespräsident Johannes Rau dankte dem malischen Präsidenten Amadou Toumani Touré in einem Brief für seine „unermüdliche und tatkräftige Hilfe“ bei der Beendigung des Geiseldramas. Rau lud Touré für das kommende Jahr zum Staatsbesuch nach Deutschland ein. Wörtlich schrieb Rau: „Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot. Mali und seine wunderbaren Menschen gehören zu denen, auf die man sich auch in schweren Zeiten verlassen kann.“

Die Sahara-Touristen erfuhren nach eigenen Angaben erst vor zwei Tagen von ihrer Freilassung. Der zu der Gruppe gehörende Kurt Schuster sagte, er habe die Hoffnung darauf bereits aufgegeben gehabt. „Wir haben uns immer wieder selber Termine gesetzt.“ Zunächst habe er Ostern ins Auge gefasst, dann die Kommunion des Enkels, den Termin eines Globetrotter-Treffens, „und dann den Geburtstag meiner Erna“, sagte der 64-Jährige. „Da haben wir aufgehört“, sagte er mit erstickter Stimme auf einer kurzen Pressekonferenz auf dem Augsburger Flughafen. Am Montag habe die Gruppe von ihrer Freilassung erfahren. Die Medien ersuchte er um Zurückhaltung. „Wir bitten darum, von der Presse verschont zu werden. Wir müssen das selber erstmal verarbeiten." Der ebenfalls zu der Gruppe gehörende Witek Mitko sagte, nach der Mitteilung über die Freilassung sei man „Tag und Nacht fast nonstop 540 Kilometer durch die Wüste gefahren".

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