Politik : Die gemeinsame Zukunft der Ungarn und Deutschen in der EU lässt auf sich warten

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Budapest, das schien die leichteste Station der dreiteiligen Reise nach Polen, Ungarn und Tschechien zu werden, mit der Kanzler Schröder an die gemeinsamen Freiheitsbewegungen im Herbst 1989 erinnern und die vereinte Zukunft in der EU in den Blick nehmen wollte. In Budapest muss er nicht deutscher Weltkriegsverbrechen an den Gastgebern gedenken, muss nicht - gegen sein Gefühl, zu den Spätgeborenen zu gehören - Scham und Verantwortungsgefühl demonstrieren. Ungarn stand auf deutscher Seite. Es ist eine ganz andere Form von Schuld, in der die Deutschen bei den Ungarn stehen - eine Dankesschuld. Die mutige Entscheidung vom 10. September 1989, die Westgrenze endgültig für alle DDR-Flüchtlinge zu öffnen, führte zum Fall der Berliner Mauer. Doch es wird eben auch nicht leichter, überzeugend seine Dankbarkeit auszudrücken, wenn diese Sternstunde der Menschheit bereits zehn Jahre zurückliegt und die Aufnahme der Ungarn - wie der Polen und Tschechen - in die EU dennoch weiter auf sich warten lässt. So machte gerade der Besuch in Budapest deutlich: Es ist immer weniger die Vergangenheit, die die Deutschen von ihren neuen Nato-Verbündeten jenseits der Ostgrenze trennt. Sondern es ist die Ungewissheit, wann daraus endlich eine gemeinsame Zukunft in der EU wird.

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