Politik : …die Gerechtigkeit siegt

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Um gleich zur Sache zu kommen und um kurzen Prozess zu machen: Michael Cicconetti, was ein Richter in Ohio ist, hat eine junge Frau im Wald ausgesetzt. Per Gerichtsurteil. Er folgt damit dem großen, humanen, christlichen und, ja, demokratischen Rechtsprinzip des Wie-du-mir-so-ich-dir. Ein Prinzip, wie es auch in solchen traditionell demokratischen Staaten wie Saudi-Arabien zur Anwendung kommt, wo Langfingern die Hand abgehackt wird, auf dass sie keine langen Finger mehr haben. Analog zum Diebstahl wird dort diese ganzheitliche Methode des Strafvollzugs auch bei Straßenraub eingesetzt. Dann wird dem Delinquenten flugs ein Fuß abgehackt, auf dass er nicht mehr so behende in den Straßen rauben kann.

Zurück zu Richter Cicconetti und seiner ebenso erhabenen Auslegung der Jurisprudenz. Der jungen Frau, die eine Nacht alleine, ohne Wasser, Nahrung und Taschenlampe im Wald verbringen musste, geschieht nur Recht. Sie hatte ihre Kätzchen ausgesetzt, und die haben auch keine Taschenlampen dabeigehabt.

Ähnlich dem Tiere zugewandt zeigte sich Richter Cicconetti in einem anderen Fall. In dem hatte ein Mann einen Polizisten als Schwein beschimpft. Der Mann musste nach dem Urteilsspruch neben einem lebenden Schwein an einer Straßenecke stehen. Allerdings ohne Halskrause. Warum bloß ließ der Richter Gnade vor Recht walten?

Richter Cicconetti steht im Übrigen nicht alleine. Oscar Goodman, ist, wie der Name schon sagt, an seiner Seite. Goodman ist Bürgermeister von Las Vegas und hat dieser Tage darüber nachgedacht, dass man in früheren Zeiten in Frankreich „den Leuten den Kopf abgeschnitten hat, wenn sie schreckliche Verbrechen begingen“. Folgerichtig möchte er die Graffiti-Sprayer seiner Stadt ins Fernsehen holen und ihnen dort einen Daumen abschneiden. Ein weitsichtiger Vorschlag: Ohne Daumen können die schrecklichen Verbrecher die Sprühdose nicht mehr halten.

Sollten wir im alten Europa uns nicht auch einreihen in die saudi-arabisch-amerikanische Allianz des Gerechten? Fangen wir bescheiden an und verurteilen den Schiedsrichter Hoyzer dazu, einen hohen Betrag darauf zu wetten, dass die Türkei den Fairness-Pokal bekommt. Dann könnte etwa der Prinz aus Hannover zur Läuterung die Toiletten türkischer Pavillons säubern. Und Zwangsamputationen? Konsequenterweise auch fürs Nichtdenken. Es stellt sich die Frage, wo nachgedacht wird. Im Hirn. Wo sitzt das Hirn, beziehungsweise keins, wie im Falle Goodmans und Cicconettis? Im Kopf. Ab damit.uem

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