Politik : Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit muss neue Geldgeber suchen

Andreas Schug

Die "Jahrhunderthalle Hoechst" in Frankfurt (Main) sol sich am heutigen Freitag mit rund 2600 Gästen füllen. Unter ihnen der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der Vorsitzende des Zentralamerikanischen Parlaments, Carlos Roberto Reina, so wie zahlreiche Botschafter. Mit dem Motto "25 Jahre GTZ - Brücken in die Zukunft" will die gemeinnützig arbeitende Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in die Vergangenheit blicken, um für ihre Entwicklungshilfeprojekte im nächsten Jahrtausend zu lernen.

Die GTZ setzte zuerst voll auf die heilende Wirkung westlicher Technik. Der erste Pressesprecher und heutige GTZ-Personalchef Heinz Ströter sieht jedoch in dem vergangenen Vierteljahrhundert einen Wandel vom "paternalistischen" Ansatz zum partnerschaftlichen. Die zuständige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), spricht von einer Politisierung.

Beim Bau der "Brücken in die Zukunft" muss die GTZ eine große Klippe nehmen. Zur Zeit erhält sie 80 Prozent ihrer Aufträge in 130 verschiedenen Ländern vom Entwicklungsministerium. Dessen Aufträge werden im kommenden Jahr um 60 Millionen Mark sinken. Die GTZ muss zukünftig mehr Auftraggeber im "Drittgeschäft" akquirieren, auch aus der Privatwirtschaft. Dabei müsse der Investor auch auf seine Rendite kommen, sagt GTZ-Geschäftsführer Bernd Eisenblätter. Der Vorsitzende des Verbandes entwicklungspolitischer Nichtregierungs-Organisationen, Peter Molt, betont hingegen, daß es "mit dem Markt allein" nicht ginge. Andererseits könne es für die GTZ in der bisherigen Struktur nicht weitergehen. Eine "Bereinigung der Trägerstuktur von Berlin weg" und eine Reduzierung in der "Vielfalt der Institutionen" sind laut Molt nicht zu vermeiden.

Zu dem im Koalitionsvertrag formulierten Ziel, die GTZ mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) zusammenzufügen, äußerte sich Molt skeptisch. Eine enge Zusammenarbeit biete sich zwar an, die KWF sei aber zu sehr auf Großprojekte fixiert und im Gegensatz zur GTZ an das Finanzministerium angegliedert. Eisenblätter schloss eine Fusion auf Anfrage des Tagesspiegel nicht aus: Die Organisationen ergänzten sich sehr gut, die Initiative müsse aber vom Entwicklungsministerium ausgehen. Dessen Sprecher Bernd Dunnzlaff sagte, das Thema stünde nicht auf der Agenda, aber "mittelfristig werden wir das prüfen."

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