• Die Gesundheitsministerin Andrea Fischer sitzt als erste Grüne im Berliner Büro - das Telefon funktioniert schon

Politik : Die Gesundheitsministerin Andrea Fischer sitzt als erste Grüne im Berliner Büro - das Telefon funktioniert schon

Eva Schweitzer

Einen derartigen Empfang hatte sie sich wohl nicht vorgestellt: Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) bezog am Montag offiziell ihren Berliner Dienstsitz - und musste, fast eine Viertelstunde lang den kiloschweren Begrüßungskuchen der Berliner Grünen stemmend, für Fotografen und Kameras posieren. Regina Michalik und Andreas Schulze, die Landesvorstandssprecher, hatten den Kuchen als "berlintypisches Geschenk" mitgebracht. Der Rosinenteig mit Schokoladenstacheln sollte einen Igel darstellen, sah aber verdächtig nach einem plattgefahrenen Exemplar aus.

Der neue - zweite - Dienstsitz der Ministerin liegt an der Mohrenstraße, im Bezirk Mitte. Dort werden 50 Mitarbeiter unterkommen, die zum Teil aus der Berliner Außenstelle und dem ehemaligen DDR-Gesundheitsministerium übernommen worden waren. Außerdem gibt es 20 Arbeitsplätze für Pendler. "Mehr passen in das Gebäude nicht rein", meint Fischer. 450 Bedienstete, das Gros, bleibt in Bonn. Was heißt, dass die Ministerin selbst auch ab und zu nach Bonn zurück muss, wo sie ein Zimmer bei Freunden hat. Ansonsten verlässt man sich auf Telefon und E-mail. Wie gut das wirklich klappt, meint die Ministerin ein wenig sorgenvoll, wird man sehen.

Das bundeseigene Haus war schon unter Horst Seehofer (CSU) für zehn Millionen Mark saniert worden, der sei aber so gut wie nie hier gewesen, sagt Fischer. Auch die Ausstattung des Ministerbüros stammt vom Vorgänger; bis auf ein Computerfoto, das einen - vergrößerten - HI-Virus darstellt. Die Hydropflanzen werden wohl demnächst Pflanzen in echter Erde weichen.

Fischer ist selbst seit 18 Jahren Berlinerin, wohnt in Kreuzberg und freut sich darauf, "nun in zehn Minuten mit dem Auto zum Arbeitsplatz zu kommen statt mit dem Flugzeug". Auch der Politik werde es guttun, in Berlin zu sein, wo der "rauhere Wind" wehe. "Die einzigen Momente, die ich vermissen werde, ist, an einem schönen Sommertag am Rhein zu stehen und auf das Siebengebirge zu schauen." Und, natürlich, dass die Bonner "wahnsinnig nett" seien. Ansonsten sei sie ein Großstadtmensch. Außerdem sei es hier einfacher, die Berliner Grünen beim anstehenden Wahlkampf zu unterstützen, dessen Thema sein werde: "Wie betreibt man die Entwicklung einer Metropole mit begrenzten finanziellen Mitteln?"

Während Fischer für die Fotografen eine Kiste mit Fachliteratur auspackte, wünschte schon der erste Gast gute Zusammenarbeit: Die Berliner Amtskollegin, Gesundheitssenatorin Beate Hübner (CDU), brachte einen Blumenstrauß und die übliche Berliner Begrüßungsmappe samt dem neuesten Merian-Heft über die Hauptstadt. Die Ministerin hatte ihrerseits schon allen Mitarbeitern, die aus Bonn gekommen waren, Stadtführer geschenkt.

Pannenreich sei der Umzug keineswegs verlaufen, meinte Fischer noch. "Jeder von Ihnen ist doch schon mal privat umgezogen, da fällt halt mal eine Lampe hin." Sie sei vielmehr beeindruckt gewesen von der Logistik dieses gewaltigen Umzugs. Der Computer der Ministerin funktioniert, nur ihre Mails habe sie noch nicht aufrufen können. Auch das Telefon sei in Betrieb, nicht aber das Fax. Nicht ganz so glücklich zeigten sich einige Bedienstete, die in den umliegenden Büros noch mit den Tücken der Technik kämpften: Einige Telefone waren offenbar falsch geschaltet worden, in anderen Büros fehlten Regale. Und selbstverständlich waren noch nicht alle Kartons ausgepackt.

Fischer ist die erste grüne Ministerin in Berlin. Vor ihr hatten bereits Bundesbauminister Franz Müntefering, Bundesinnenminister Otto Schily und Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (alle SPD) ihre Arbeit an der Spree aufgenommen.

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