Politik : Die Götterdämmerung der Papandreous

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Athen - Nach dem erzwungenen Rücktritt als Ministerpräsident muss Giorgos Papandreou auch um den Vorsitz der von seinem Vater gegründeten Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) bangen. Zwei Jahre nach ihrem triumphalen Wahlsieg vom Oktober 2009 durchquert die Pasok ein tiefes Tal der Tränen. In den Meinungsumfragen ist sie seit der Wahl von 44 Prozent auf blamable 13 Prozent abgerutscht. Papandreou, der 2004 zum Vorsitzenden der Pasok gewählt wurde und als Sohn des Parteigründers Andreas Papandreou ein Hoffnungsträger war, ist für die Partei zu einer Hypothek geworden. Prominente Genossen drängen auf einen Führungswechsel.

Die Zeit drängt, denn der parteilose Lucas Papademos, der Anfang November Papandreou als Premier ablöste, wird nur bis zum Frühjahr regieren. Die Parlamentswahl in Griechenland wird sich nach Angaben von Vize-Regierungschef Evangelos Venizelos noch bis Ende April hinauszögern. So bekomme die Übergangsregierung mehr Zeit für Verhandlungen mit Vertretern der Euro-Zone und der Banken über die griechischen Staatsschulden.

Rechtzeitig vorher muss die Pasok ihre Führungsfrage geklärt haben. Mindestens vier Kandidaten stehen bereit: Bildungsministerin Anna Diamantopoulou, Gesundheitsminister Andreas Loverdos, Entwicklungsminister Michalis Chrysochoidis und Venizelos, der bereits 2007 gegen Papandreou antrat. Bildungsministerin Diamantopoulou meint sogar, die Pasok müsse sich auflösen und als Mitte-links-Partei neu gründen.

Das zeigt: Die Pasok steckt in der schwersten Krise ihrer 37-jährigen Geschichte. Drei Premierminister hat die Sippe Papandreou hervorgebracht. Sie ist eine der großen Polit-Dynastien, die sich in Athen seit Jahrzehnten an der Macht abwechseln und das Land im Lauf der Zeit mit einem immer dichteren Netz der Günstlingswirtschaft und der Korruption überzogen haben. Die Krise besiegelt die Ära der griechischen Polit-Dynastien. Damit dürfte auch Papandreous Stunde schlagen. Gerd Höhler

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