Politik : Die Grenzen der Kooperation

Moskau lehnt Einsätze mit der Nato ab und wendet sich gen Asien

Elke Windisch[Moskau]

George Robertson sagte genau das, was seine Gastgeber in Moskau hören wollten: Russland und die Nato seien der Kern der internationalen Anti-Terror-Koalition, betonte der Nato-Generalsekretär, der zur Tagung des Nato-Russland-Rates und zu einer internationalen Konferenz über die Rolle des Militärs bei der Terrorismusbekämpfung in die russische Hauptstadt gekommen war.

Angesichts neuer Herausforderungen an die internationale Sicherheit, so auch Russlands Präsident Wladimir Putin in seinem Grußwort, gäbe es durchaus ein Potenzial für eine Zusammenarbeit Russlands mit dem Bündnis. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow sagte jedoch: „Es ist noch zu früh, über gemeinsame Militäroperationen gegen Terroristen zu reden.“ Die Grenzen der Kooperation mit der Nato hatte Putin schon unmittelbar nach der Prager Nato-Tagung formuliert: Die Zusammenarbeit müsse den nationalen Interessen Russlands dienen. Das gilt ohne Einschränkungen nicht einmal für den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Dafür sorgen vor allem Bedenken des Westens gegen Moskaus Tschetschenien-Krieg sowie die Widerstände in Teilen des Militärs.

Dass die alte Blockkonfrontation noch nicht überwunden ist, zeigt Putins Tournee durch Asien in der vergangenen Woche. Sowohl in der Pekinger Deklaration als auch in der von Neu-Delhi ist die Rede von einer „Welt mit mehreren Schwerkraftzentren“. Eines davon könnte aus Russland, China und Indien gebildet werden. Moskau ist auf dem besten Weg, verlorenen Boden in Zentralasien zurückzugewinnen: In Kirgistan, wo Präsident Askar Akajew nicht nur durch islamische Fundamentalisten, sondern auch durch die weltliche Opposition in Bedrängnis gerät, trafen Ende vergangener Woche die ersten russischen Kampfflieger ein. Auf ihrer Basis, vom dortigen Nato-Stützpunkt auf dem Flughafen „Manas“ kaum 60 Kilometer entfernt, soll im Frühjahr eine mehrere tausend Mann starke schnelle Eingreiftruppe stationiert werden. „Die Nato wird irgendwann gehen, Russland engagiert sich langfristig und gründlich“, sagte ein russischer Fliegergeneral.

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