Politik : Die Grünen: Einer haut immer auf den Putz

Ulrike Scheffer

Daniel Cohn-Bendit war am Freitag in Berlin, im Auswärtigen Amt. Doch der Europaabgeordnete der französischen Grünen kam nicht etwa, um seinen Freund Joschka Fischer zu besuchen. Und schon gar nicht, um sich bei dem deutschen Außenminister zu entschuldigen. Cohn-Bendit hatte Fischer in den vergangenen Wochen in mehreren Zeitungsinterviews scharf angegriffen, weil sein früherer Spontigenosse nach den Ereignissen in Genua den Globalisierungsgegnern einen "abgestandenen Linksradikalismus" vorgeworfen hatte. Den Grünen warf Cohn-Bendit Ignoranz gegenüber den Globalisierungsgegnern und ihren sehr ernst zu nehmenden Zielen vor.

Seither wird bei den deutschen Grünen heftig über die neue Protestbewegung diskutiert. "Genau das war mein Ziel", sagt Cohn-Bendit bei seinem Berlin-Besuch. Ein verschmitztes Lächeln kann er dabei nicht verbergen. Er habe die Grünen zum Nachdenken anregen wollen. Deshalb müsse er sich auch nicht entschuldigen. Ins Auswärtige Amt kam er ohnehin ganz unabhängig vom dortigen Chef. Die Zeit-Stiftung hatte Cohn-Bendit eingeladen, bei ihrer diesjährigen Sommeruniversität zum Thema "Europa und der Nationalstaat" zu referieren. Veranstaltungsort war das Auswärtige Amt. Ob er Joschka Fischer bei dieser Gelegenheit nicht doch einen kleinen Versöhnungsbesuch abstatten sollte? "Wieso Versöhnung?", fragt Cohn-Bendit, "unter Freunden kann man sich alles sagen - auch in der Öffentlichkeit. Da wird nichts unter den Teppich gekehrt".

Manchmal haue eben der eine auf den Putz, manchmal der andere, das sei ganz normal, und Fischer nehme das auch nicht übel. Und weil die beiden so gute Freunde sind, wollten sie sich am Freitag dann schließlich doch sehen. Für den Abend sei ein Treffen geplant, sagte Cohn-Bendit. Wann genau, müsse allerdings noch telefonisch besprochen werden. Alles ganz freundschaftlich, versteht sich.

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