Politik : Die Grünen: Traumquote

Hans Monath/Matthias Meisner

Trampeln, Johlen, Klatschen - und das ausgerechnet für Werner Schulz. Mit einer Riesenüberraschung endete am Samstag in Berlin die Kandidatenaufstellung der Grünen für die Bundestagswahl: Der traditionell linke Landesverband stellt neben Verbraucherministerin Renate Künast denEx-Bürgerrechtler Werner Schulz für den Bundestag auf. Wegen der Verkleinerung des Parlaments gelten für den Berliner Landesverband nur noch zwei Listenplätze als sicher. Beim Kampf um den zweiten Listenplatz schlug Schulz, Sprecher seiner Fraktion für die Angelegenheiten der neuen Bundesländer, sowohl Hans-Christian Ströbele, Symbolfigur der Linken in der Partei, als auch die ehemalige Gesundheitsminsterin Andrea Fischer.

In einer Bewerbungsrede mit viel Witz und ungebrochenem Selbstbewusstsein hatte Schulz die Mehrheit der Versammlung hinter sich gebracht. "Wir können die Wahlen im Osten nicht gewinnen, aber wir können sie dort verlieren", warnte er.

Kaum Aufmerksamkeit erregte angesichts der riesigen Überraschung, dass die Versammlung sich mit dem Wahlkampfkonzept der Bundespartei unzufrieden zeigte. Die Berliner Grünen sprachen sich dagegen aus, Joschka Fischer zum alleinigen Spitzenkandidaten zu machen. Stattdessen sollten Renate Künast und der Außenminister gleichberechtigt Spitzenkandidaten werden.

Die Entscheidung darüber muss allerdings die Bundespartei treffen. An diesem Montag wird der Grünen-Parteirat Joschka Fischer offiziell zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl küren. Für die thüringische Grünen-Vorsitzende Astrid Rothe ist das ein "Männerspielchen". Doch die große Mehrheit in der Partei tickt anders als Rothe - sie ist der Meinung, dass die große Popularität des Außenministers besonders herausgestellt werden soll.

Wer aber soll neben Fischer im Kernteam Wahlkampf machen und auf Plakaten erscheinen? Umweltminister Jürgen Trittin nicht, nur Kabinettskollegin Künast - die Idee wurde so schnell verworfen wie die, nur Claudia Roth könnte Fischer zur Seite gestellt werden, nicht aber Ko-Chef Fritz Kuhn. Dann wollte auch die Fraktionsspitze in die Spitzentruppe: Das sei "von Anfang an klar" gewesen, versichert Fraktionschef Rezzo Schlauch. "Ein Riesentrupp", nörgelt einer aus dem Vorstand.

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