Politik : Die Grünen zittern bis zum Schluss

Hans Monath

Berlin - Ungewöhnlich viel Zeit für einen Wahlabend ließ sich Reinhard Bütikofer, bis er am Sonntagabend die Ergebnisse bewertete. Als der Parteichef um 19 Uhr vor die Presse trat, war immer noch offen, ob die Grünen wenigstens in Sachsen den Sprung in den Landtag schaffen würden. Viel Hoffnung bestand bei Hochrechnungen von 4,9 Prozent aber nicht. „Die Grünen haben zugelegt, aber den Durchbruch noch nicht geschafft“, sagte Bütikofer. In letzter Minute, weit nach 23 Uhr, dann die Überraschung mit dem vorläufigen Endergebnis: Mit 5,1 Prozent hatte es die Partei doch noch geschafft.

In elf der 16 Landtage waren die Grünen bisher vertreten, aber in keinem Landesparlament im Osten. Stärkere Zuwächse hatten Grünen erwartet und die Botschaft setzen wollen, dass sie im Osten angekommen seien. Angesichts guter bundesweiter Umfrageergebnisse und erfreulicher demoskopischer Signale aus dem Osten wollten sie ihre Erfolgsserie bei Landtagswahlen seit Anfang 2003 fortsetzen. Umfragen hatten ihnen vorausgesagt, sie könnten ihre Ergebnisse von vor fünf Jahren – 2,6 Prozent in Sachsen und 1,9 Prozent in Brandenburg – weit übertreffen.

In Brandenburg hatten potenzielle Grünen-Wähler im Kampf der Großen um die Vorherrschaft dann doch Matthias Platzeck gestärkt, wie Grünen-Spitzenkandidat Wolfgang Wieland vermutete. Bütikofer lobte Wieland und die sächsische Spitzenkandidatin Antje Hermenau: Mit den beiden habe man „das Gesicht einer neuen, selbstbewussten Partei im Osten gesehen“.

Intern hatten viele Grünen-Wahlkämpfer geklagt, die Konzentration der politischen Debatte auf Hartz IV habe es ihnen schwer gemacht, mit den eigenen Themen Bürgerrechte und Ökologie durchzudringen. Erspart blieb den Grünen diesmal eine Debatte um Schwarz-Grün: Man rechnete nicht damit, dass sie in beiden Ländern für eine Regierungsbildung gebraucht würden.

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