Politik : Die gute Absicht wird zur Belastung (Kommentar)

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Die rot-grüne Koalition ist die erste deutsche Regierung, die grundsätzlich bereit ist, die Zwangsarbeiter zu entschädigen. Aber die gute Tat war von Anfang an nicht ohne Makel. Polen klagt, seine Opfer würden mit einer gewissen Geringschätzung behandelt. Erst sollte Warschau an den Verhandlungen nicht beteiligt werden, dann hieß es, die Entschädigungshöhe hänge von der Herkunft der Opfer ab, nun will man die Landarbeiter aus dem Kreis der Berechtigten ausschließen. Diese Konzeption wird von den amerikanischen Verhandlungspartnern akzeptiert, da die von ihnen vertretenen jüdischen Opfer nicht in der Landwirtschaft gearbeitet haben. Doch die knappe Kasse reichte als Argument für diese Diskriminierung offenbar nicht aus. Otto Graf Lambsdorff hielt es für angemessen, die Ostarbeiter in der deutschen Landwirtschaft als "natürliche historische Erscheinung" zu bezeichnen - ob nun unter Zwang vor 50 Jahren oder freiwillig zur Spargelernte heute. Diese Äußerungen machen viele Polen fassungslos. Wenn sich Ton und Inhalt der deutsch-polnischen Gespräche nicht bald ändern, wird aus der guten Absicht, die Zwangsarbeiter zu entschädigen, eine schwere Belastung des Verhältnisses zu Polen.

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