• „Die Hälfte der Professuren an Frauen“ Das Aktionsbündnis muslimischer Frauen über seine Erwartungen

Politik : „Die Hälfte der Professuren an Frauen“ Das Aktionsbündnis muslimischer Frauen über seine Erwartungen

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Frau Kilicarslan, Ihr Verein wollte an der Islamkonferenz (DIK) teilnehmen, nun ist eines Ihrer Vorstandsmitglieder, die Theologin Tuba Isik-Yigit, als Einzelperson dort im Plenum vertreten. Ist das ein Manko?

Nicht unbedingt, weil wir sie natürlich auch als unsere Vertretung dort sehen. Es zeigt aber, dass der Staat noch nicht bereit ist, mit organisierten muslimischen Frauen zu sprechen. Ob die Politik die Frauenthematik wirklich ernst nimmt, das werden wir sehen.

Innenminister de Maizière hat angekündigt, er wolle Gleichberechtigung zu einem Schwerpunkt der DIK machen. Was sind Ihre Forderungen?

Die Belange von Frauen sollen mehr im Fokus liegen und zwar nicht nur reduziert auf Klassenfahrten und Schwimmunterricht. Wenn es zum Beispiel um Lehrstühle für islamische Theologie in Deutschland geht, dann sollte von Anfang an klar sein, dass die Hälfte dieser Professuren an Frauen vergeben wird. Und wenn über Religionsunterricht nachgedacht wird, müssen die islamischen Quellen, die die Gleichberechtigung von Mann und Frau fordern und fördern, sich in den Lehrplänen widerspiegeln.

Was lief bei der letzten DIK falsch?

Es wurde nicht konstruktiv gesprochen. Entweder wurden Religion und Kultur oder die islamischen Verbände angegriffen. Dabei gibt es bei den Verbänden positive Entwicklungen. Wenn zum Beispiel zum ersten Mal in einem Moscheeverein in Deutschland Männer eine Frau zur Vorsitzenden wählen, würde ich mir Schlagzeilen wünschen.

Spielen Religion oder Kultur denn gar keine Rolle für bestimmte Probleme?

Wenn wir zum Beispiel über häusliche Gewalt sprechen, dann sind davon ja bei weitem nicht nur muslimische Frauen betroffen. Trotzdem wird häufig eine Religionsdiskussion daraus gemacht und das ist fatal. Denn die Hauptursache, eine patriarchale Erziehung der Geschlechter, kann man nur bekämpfen, wenn man sie auch als das eigentliche Problem erkennt.

Die Fragen stellte Karin Schädler.

Ayten Kilicarslan (44) ist Vorsitzende des im November 2009 gegründeten Vereins „Aktionsbündnis muslimischer Frauen“. Zuvor leitete sie ein Bildungswerk für muslimische Frauen in Köln.

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