Politik : Die heimliche Katastrophe

Das Militärregime in Birma schottet sich selbst und auch die Flutopfer von der Außenwelt ab

Frank Jansen

Nur einen Tagesausflug von der thailändischen Insel Phuket entfernt liegt die Südspitze von Birma (Myanmar). Was die Flutwellen hier angerichtet haben, bleibt jedoch ein Rätsel. Das Militärregime spricht seit Tagen von 59 Toten und 17 Dörfern, in denen es Schäden gegeben habe. Doch es mehren sich Zweifel: „Es kann gar nicht sein, dass Myanmar nur gering betroffen ist“, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen. Schon angesichts der Nähe zum Epizentrum des Bebens – etwa 1000 Kilometer unterhalb der Südspitze Birmas – müsse die Zahl der Opfer viel höher sein. Das Welternährungsprogramm sieht das ähnlich. Ein Sprecher sagte am Dienstag in Genf: „Wir befürchten, dass hunderte Fischer gestorben sind.“ Rund 30 000 Menschen würden in dem Land dringend Unterkünfte, Nahrung, Trinkwasser und Medikamente benötigen.

Die Regierung Birmas aber bleibt ein Feind freier Informationen. Das Militärregime behalte offenbar auch im Krisenfall den Kurs der weit gehenden Abschottung bei, sagt ein deutscher Sicherheitsexperte. Vermutlich würden die Generäle befürchten, bei einer großen internationalen Hilfsaktion käme deutlicher als bisher schon der brutale Charakter ihrer Herrschaft zum Vorschein. Die EU-Kommission durfte bislang nicht einmal Experten nach Birma schicken, um den Bedarf an Hilfsgütern zu ermitteln. Die Einreise sei nur möglich, wenn die Regierung eine Einladung ausspreche, so eine Sprecherin der Kommission. Doch die Einladung kommt nicht. Dass die Flutwellen im viel weiter entfernten Indien mehr als 15 000 Menschen töteten, aber kaum auf die lange Küste Birmas und die tausenden vorgelagerten Inseln geprallt sein sollen, sei schlicht nicht vorstellbar. Ähnlich argumentieren im Internet Gruppierungen aus Birma selbst, die in Opposition zum Regime stehen. Ihre Offenheit ist nicht ohne Risiko, denn die Regierung duldet keinen Widerspruch. Bis heute hält sie die Friedensnobelpreisträgerin und führende Oppositionelle Aung San Suu Kyi unter Hausarrest.

Auch gegenüber den Flutopfern zeigt das Regime offenbar mehr Härte als Mitgefühl: Die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ berichtet, die Militärregierung verschweige die Todesfälle und zwinge Überlebende, die Leichen rasch zu beerdigen oder zu verbrennen. Buddhistische Mönche hätten hunderte Tote eingeäschert. Die Zeitung nennt als Quelle einen „örtlichen Priester“. Überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Bei der Botschaft Birmas in Berlin heißt es, Gerüchte über hohe Opferzahlen seien falsch. Ein Diplomat nennt dem Tagesspiegel einen „Beweis“: Der englischsprachige Kanal des Fernsehens von Birma habe Touristen interviewt, denen nichts passiert sei.

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