Politik : Die Helfer sind sprachlos

Gewalt und Gegengewalt in Nahost werden immer brutaler

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Jerusalem. Blutiger Wochenbeginn in Israel. Genau um 7 Uhr 45 Ortszeit zerreißt eine gewaltige Bombenexplosion am Sonntag kurz vor der historischen Stadt Safed den voll besetzten Linienbus 361 aus Haifa. Eine Stichflamme schießt aus dem Wrack, in dem acht Menschen auf der Stelle getötet werden. Sekunden später wanken blutüberströmte Überlebende aus dem Bus. Zwei israelische Araber sind die ersten Helfer, die sich der schreienden und stöhnenden Opfer annehmen. Dann kommen die Krankenwagen, die die vielen Verletzten in Kliniken bringen, wo Spezialisten schon lange auf die Behandlung von Anschlagsopfern eingerichtet sind. „Nie zuvor habe ich ähnliche Szenen gesehen“, meint der Einsatzleiter des israelischen Roten Davidsterns, Chanan Sofer.

Stunden danach dann ein weiterer tödlicher Zwischenfall vor den Toren der Jerusalemer Altstadt. Bei dem Überfall eines bewaffneten Palästinensers sterben zwei unbeteiligte Menschen und der Attentäter. Doch dieser Anschlag ist bereits „Routine“. Er wird von den Medien „registriert“, mehr nicht.

Gewalt und Gegengewalt haben in dem fast zwei Jahre alten Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern eine Dimension erreicht, die noch vor Wochen unvorstellbar schien. „Gewalt und Gegengewalt sind außer Kontrolle geraten“, bemerkte die Palästinensische Autonomiebehörde in ihrer amtlichen Verurteilung des Hamas-Anschlags. Andere palästinensische Sprecher machten sich nicht einmal die Mühe, die Bluttat zu verurteilen. Sie machten sogleich die „andauernde israelische Gewalt“ gegen die Palästinenser für den Terror verantwortlich.

Der israelischen Regierung fehlen angesichts der Welle der Gewalt die Worte. Kein prominenter Politiker fand sich am Sonntag mehr zu einer Verurteilung bereit. Was in Israel die linken Kritiker und Menschenrechtler seit Monaten vorhersagten, ist inzwischen eingetreten. Die auf militärische Härte konzentrierte Politik von Ariel Scharon hat Israel endgültig in eine Sackgasse manövriert. Christian Fürst (dpa)

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