Politik : Die IRA leitet Abrüstung ein

Martin Alioth

Die Irisch-Republikanische Armee hat am Dienstagabend den Beginn ihrer Entwaffnung angekündigt - exakt 24 Stunden, nachdem sie von ihrem eigenen politischen Flügel Sinn Fein darum gebeten worden war. Die Organisation begründete ihren Schritt mit dem Wunsch, den Friedensprozess zu retten, rügte aber gleichzeitig die britische Regierung und die nordirischen Unionistenparteien, sie hätten die Entwaffnungsfrage dazu missbraucht, den Friedensprozess zu sabotieren.

Die IRA-Erklärung enthielt nicht viele Einzelheiten, sondern bezog sich auf ein Verfahren, das im August schon mit dem kanadischen General John de Chastellain - der den Entwaffnungsprozess durchzuführen und zu verifizieren hat - vereinbart worden sei. Gemäß dieser Methode sei die Abrüstung nun eingeleitet worden. Sinn-Fein-Präsident Gerry Adams wehrte sich am Abend im irischen Fernsehen RTE gegen Fragen nach dem exakten Umfang der unzugänglich gemachten Waffen. Vielmehr sprach er von einer "historischen Initiative" und von einem "befreienden Sprung" für die nordirische Gesellschaft. Bei Redaktionsschluss stand die offizielle Bestätigung de Chastellains noch aus. Er bestand immer darauf, die entsorgten Waffen zu lagern, aber es scheint unwahrscheinlich, dass er diese Angaben veröffentlichen wird.

Entscheidend ist, dass seine Zusicherungen die nordirische Unionistenpartei des zurückgetretenen - und künftigen - Chefministers David Trimble zufriedenstellen. Trimble hatte am Dienstagabend in ersten Reaktionen darauf verzichtet, weitere Vorbedingungen zu stellen oder in die Erbsenzählerei zu verfallen. Auf beiden Seiten der irischen Grenze wurde der gestrige Schritt der IRA einmütig als historischer Durchbruch gefeiert.

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