Politik : Die IRA muss über ihren Schatten springen (Kommentar)

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Peter Mandelson erlebt gerade seine erste große Herausforderung in seinem neuen Job als britischer Nordirlandminister. Der Mann, der vor knapp drei Jahren Tony Blair die Wahl gewinnen half und mit einem erheblichen rhetorischen Talent begnadet ist, muss sämtliche Register seiner Überzeugungskunst ziehen. Es gilt nämlich, ein Desaster zu verhindern, das Nordirland weit hinter das Karfreitags-Abkommen von 1998 zurückwerfen und auch Blairs Ansehen beschädigen würde. Die nordirische Regierung, jenes Vorzeigestück irisch-britischer Verhandlungskunst, geplatzt, die Provinz wieder unter der direkten Kontrolle Londons - das wäre in der Tat eine Schreckensmeldung, die die Arbeit der Londoner Regierung in diesem an schlechten Nachrichten nicht gerade armen Winter weiter untermininieren würde. Erst die Grippewelle und das folgende Debakel für den Nationalen Gesundheitsdienst, dann die fragwürdige Schützenhilfe des Londoner Innenministers Jack Straw für Chiles Ex-Diktator Pinochet. Und nun möglicherweise die Rückkehr in die altbekannten Gräben Nordirlands. Wenn der Protestant David Trimble, der dort das Amt des Regierungschefs versieht, seine Drohung tatsächlich wahrmachen und seine Arbeit hinschmeißen würde, dürfte das unweigerlich folgende Zerwürfnis zwischen den Konfliktparteien kaum mit noch so raffinierten institutionellen Tricks zu beheben sein. Zu ihrer Regierung hat Nordirland keine Alternative. In ihrem Karfreitagsabkommen haben sich die Nordiren schließlich zum Gebrauch "demokratischer und ausschließlich friedlicher Mittel" verpflichtet. Für die IRA bedeutet das: Sie muss sich zur Entwaffnung endlich durchringen.

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