Politik : Die israelische Luftwaffe fliegt Vergeltungsangriffe für den Anschlag in Libanon

Charles A. Landsmann

Nach dem Mordanschlag auf den Geheimdienstchef der mit Israel verbündeten SLA-Miliz im Süden Libanons hat die israelische Luftwaffe wieder Vergeltungsangriffe auf Ziele der Hisbollah in der Sicherheitszone geflogen. Kampfflugzeuge feuerten am Dienstag acht Raketen auf Stützpunkte der schiitischen Miliz in den Bergen östlich von Kilja, drei Kilometer nördlich der israelisch besetzten Zone, wie aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte die Angriffe und teilte am Dienstag mit, die Militärmaschinen seien unbeschädigt zu ihren Stellungen zurückgekehrt.

Schon am Montag abend hatte die Luftwaffe mehr als zwölf Einsätze gegen Stellungen der Hisbollah geflogen. Außerdem kam es zu Gefechten am Boden, bei denen eine Hisbollah-Kämpfer getötet wurde. Vier SLA-Milizionäre und eine Zivilistin wurden verletzt. Die Hisbollah bekannte sich zu einem Bombenanschlag, bei dem am Montag der Geheimdienstchef der pro-israelischen Südlibanesischen Armee (SLA), Fausi el Saghir, getötet wurde. Die Organisation führt einen Guerillakrieg zur Vertreibung der 1500 israelischen Soldaten und der mit ihnen verbündeten 2500 SLA-Kämpfer aus der besetzten Zone im Süden Libanons.

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat unterdessen nach Meldungen, dass es 2600 neue Baugenehmigungen für jüdische Siedler im besetzten Westjordanland gibt, erneut ein sofortiges Ende der Siedlungsaktivität gefordert. Andernfalls hätten die Verhandlungen über einen Friedensvertrag zwischen Israel und den Palästinensern keine Aussicht auf Erfolg, sagte der palästinensische Verhandlungsführer Saeb Erekat am Dienstag. Entsprechende Schreiben habe er an Israels Ministerpräsident Ehud Barak, den US-Vermittler Dennis Ross und die Regierungen 96 weiterer Staaten geschickt. Darin werde Barak aufgefordert, die jüngsten Genehmigungen zu widerrufen.

Die israelische Bewegung "Frieden jetzt" hatte am Sonntag mitgeteilt, die Regierung unter Ministerpräsident Ehud Barak habe seit ihrer Amtsübernahme im Juli schon 2600 neue Baugenehmigungen an Siedler ausgestellt, mehr als in den drei Amtsjahren der Regierung Benjamin Netanjahus zusammen. Palästinenser und Israel haben am 13. September offiziell ihre Verhandlungen über den endgültigen Status der palästinensischen Gebiete eröffnet, die innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden sollen.

Israel sollte nach Meinung seines Staatspräsidenten Ezer Weizman dem syrischen Präsidenten Hafis el Assad im Bemühen um eine Friedensregelung "nicht mehr hinterher rennen". Der israelische Rundfunk zitierte Weizman ferner mit den Worten: "Es gibt Grenzen. Wenn Herr Assad (nach Israel) kommen will, wird er kommen, wenn er nicht will, dann eben nicht."

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