Politik : Die K-Frage: Ungeduld im Kurort

Robert Birnbaum

Der Kandidat mag jetzt lieber nicht viele Worte machen. Über die Lage Deutschlands im Allgemeinen und die Wirtschaftslage und die klägliche Erscheinung der Regierung Schröder im Besonderen - das ja. Aber über das Andere - nein. "Alle Fragen, die Sie stellen werden, möchte ich mit Frau Merkel im persönlichen Gespräch klären", sagt Edmund Stoiber. Und bevor jemand eine dieser Fragen doch stellt, hat er sich schon abgewandt und strebt dem Tagungshaus zu. "Beide Parteivorsitzenden haben eine besondere Verantwortung", hat Stoiber ein paar Sätze früher selbst konstatiert. Disziplin ist angesagt im Wildbad Kreuth. Jedenfalls, soweit es den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten angeht.

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Ansonsten ist es mit der Disziplin aber nicht so schrecklich weit her rund um die Traditionsklausur der CSU-Landesgruppe. Das liegt an einem Sachverhalt, den der Landesgruppenchef Michael Glos dezent mit den Worten andeutet, "im Prinzip" teile er den soeben auch vom Parteivorsitzenden wieder verbreiteten Optimismus, er werde mit der CDU-Chefin Angela Merkel im Zwiegespräch zu einer einvernehmlichen K-Entscheidung finden. Was auf gut Deutsch heißt: So richtig glaubt Glos genau an diese friedliche Lösung nicht. Weshalb er schon mal laut über den Fall nachdenkt, dass das Vier-Augen-Konklave im Konflikt endet. Schön, sagt Glos, fände er eine Kampfabstimmung in der Fraktion zwar nicht, aber "ein Unglück" wäre sie auch nicht.

Man muss das wohl als weiteren Stein in jener Mauer deuten, die die CSU jetzt seit Tagen zu Schutz und Schirm ihres Kandidaten errichtet. Eigentlich scheuen die Bayern den Konflikt. "Eine Kampfabstimmung im Wahljahr ist nicht gut", sagt Parteivize Horst Seehofer, und Landtagsfraktionschef Alois Glück warnt sogar: "Kampf wäre falsch." Doch ein Stratege wie Glos weiß nur zu gut, dass es noch falscher wäre, nicht mit der Fraktion zu drohen. Dahinter steckt eine komplizierte Überlegung, die nebenbei zeigt, dass sie in der CSU des glatten Sieges ihres Favoriten in der K-Frage keineswegs restlos sicher sind. Denn was, wenn Merkel in jenem Zwiegespräch nicht klein beigibt, sondern auf ihrer Kandidatur beharrt? Dann darf Stoiber nicht davor zurückscheuen, den Konflikt auf die Spitze zu treiben - sonst müsste er klein beigeben. Wenn aber die Fraktion ins Spiel kommt, wird es für Merkel eng: Dort hat die CDU-Chefin höchstwahrscheinlich keine Mehrheit. Darum, wie gesagt, das Reden von der Kampfabstimmung.

Aber eigentlich, wie gesagt, würden die Christsozialen ihrem Chef einen solchen Kraftakt gern ersparen. Weshalb sie alles tun, um Merkel vorzuführen, wie aussichtslos ihre Position sei. Zum Beispiel belegt die Allensbach-Demoskopin Renate Köcher in Kreuth mit vielen Zahlen, dass auch ein Kandidat Stoiber Wechselwähler anziehen würde (und nicht nur eine Kandidatin Merkel). Und Glos erzählt bereitwillig, wie ihm Mitglieder des CDU-Präsidiums versichert hätten, dass die Union mit Stoiber die größte Siegeschance hätte. Was man durchaus als Aufforderung an die Betreffenden deuten darf, mit dieser Meinung bitte bei der CDU-Vorstandsklausur Ende der Woche in Magdeburg nicht hinterm Berg zu halten. "Diese Woche wollen wir endlich klar sehen", murrt ein Münchener CSU-Spitzenmann. Es klingt ziemlich ungeduldig.

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