Politik : Die Kandidaten: Koch-Weser will sich um Kernaufgaben kümmern

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"Wer hat je von Koch-Weser gehört?" fragte kürzlich das Wall Street Journal. Bisher hat der 55-Jährige hauptsächlich die Fäden im Hintergrund gezogen: als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und davor als langjähriger Mitarbeiter der Weltbank. Jetzt geht Koch-Weser beim Geschacher um den Chefposten des Internationalen Währungsfonds in die Offensive. In Davos sagte er, er wolle den IWF zur Rückbesinnung auf seine Kernaufgaben führen, besonders auf die Krisenprävention. Außerdem seien mehr Transparenz und Kommunikation notwendig, der IWF müsse seine Verantwortung glaubwürdig vermitteln.

Wie man sich auf internationalem Parkett bewegt, hat Koch-Weser früh gelernt. Sein Großvater, der liberale Politiker Erich Koch-Weser, floh 1933 vor den Nazis nach Brasilien. Der Enkel wuchs auf einer Kaffeeplantage im Urwald von Parana auf. Sein Abitur machte Koch-Weser, der deutscher und brasilianischer Staatsbürger ist, in einem Internat in der Bundesrepublik. Anschließend studierte er Volkswirtschaft und Soziologie in Münster, Berlin und Bonn.

Seine Karriere begann 1973, als er Trainee bei der Weltbank in Washington wurde. Er übernahm die Verantwortung für das China-Programm und arbeitete sich zum geschäftsführenden Direktor und Vorstandsmitglied hoch. Außerdem gehörte die Umstrukturierung der Weltbank zu seinen Aufgaben. Koch-Weser spricht sechs Sprachen, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Rücktritt von Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine holte ihn Hans Eichel als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Nachdem bekannt wurde, dass der bisherige IWF-Chef Michel Camdessus aus dem Amt ausscheidet, unterstützen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Eichel sofort die Kandidatur von Koch-Weser.

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