Politik : Die Kandidaten: Stanley Fischer bevorzugt die leisen Töne

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Stanley Fischer gilt als ruhiger Mensch. Dem schlanken, zuvorkommenden Professor für Ökonomie ist die Macht nicht anzumerken, über die er als kommissarischer Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) zweifellos verfügt.

Der Sohn baltisch-jüdischer Emigranten wurde 1943 in Sambia geboren. Seit 1976 ist er Bürger der Vereinigten Staaten, besitzt daneben aber auch einen britischen Pass. Dem ungeschriebenen Gesetz, wonach der Chefsessel des IWF traditionell mit einem Europäer besetzt werden muss, würde daher theoretisch nichts entgegenstehen. Fischer studierte an der London School of Economics und erwarb seinen Doktortitel am ebenso renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er von 1990 bis 1994 eine Professur inne hatte. Am MIT war Fischer Lehrer des heutigen US-Vize-Finanzministers Lawrence Summers, mit dem er befreundet ist.

Der Amerikaner gilt als bekannter Theoretiker. Sein Buch "Makroökonomie", das er mit seinem MIT-Kollegen Rüdiger Dornbusch verfasste - Dornbusch hält Koch-Weser als IWF-Chef übrigens für fatal - ist ein Standardwerk in der Volkswirtschaftslehre.

Für den IWF-Chefsessel empfiehlt sich Fischer nicht nur durch seine akademische Laufbahn, sondern auch durch seine bisherigen Führungserfahrungen. Von 1988 bis 1990 war er Vizepräsident und Chefvolkswirt der Weltbank, und seit 1994 hatte er den Posten des stellvertretenen Direktors beim IWF inne. In dieser Position konnte er seine Fähigkeiten bereits unter Beweis stellen. Während der Asienkrise und den Krisen in Russland und Brasilien handelte er die Hilfsprogramme aus. Deshalb galt er auch stets schon als graue Eminenz hinter seinem ehemaligen Chef Michel Camdessus.

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