Politik : Die Kanzlermacher

Wie Michael Spreng und Matthias Machnig die Kandidaten unterstützten. Ein Blick hinter die Kulissen

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Von Antje Sirleschtov

Nichts ist beim Wettlauf so wichtig wie die richtige Startposition. Das weiß jeder Sportler. Und das wissen auch die Sozialdemokraten. „Nehmen wir die da vorn“, flüsterte Generalsekretär Franz Müntefering am Sonntagabend auf dem Studiogelände in Berlin-Adlershof seinem Parteifreund Manfred Stolpe zu. Schon fast eine Stunde vor Beginn der großen TV-Show maßen die Spin-Doktoren und Parteistrategen der SPD die gewaltige Halle, in der mehr als 500 Journalisten mit Kameras und Laptops auf die Inszenierung warteten, mit prüfendem Blick. „Ja, die sind gut“, einigten sich die beiden Herren, und rückten eilig ein paar Sessel zusammen. Ganz vorn, gut im Licht. Und natürlich dort, wo alle Kamerateams vorbei müssen. „Eigenlob ist erste Pflicht“, hieß die Order, „und zwar unmittelbar nach dem Ende des Duells“. Nicht noch einmal durfte passieren, was sich vor zwei Wochen ereignet hatte, als alle möglichen Genossen noch zwei Tage nach dem Wortgefecht wild durcheinander an ihrem Kanzler herumkritisiert hatten.

Diesmal hieß es Acht geben: Mit lautem „Hallo“ und „Juhu“ wurde jeder rhetorische Patzer Edmund Stoibers bejubelt. Kein Journalist im Saal durfte überhören, wie gut ihnen ihr Gerhard Schröder gefällt. Und noch bevor die beiden Männer auf den Bildschirmen überhaupt zum Schlusswort ansetzten, sprang des Kanzlers oberster Wahlkampfmanager Matthias Machnig auch schon auf und griff sich das erste Mikrofon. „Ganz Deutschland hat gesehen, wer hier Kanzler ist und wer nur Ministerpräsident“, gab er sogleich zu Protokoll. Schlagfertig und locker habe Schröder die Debatte dominiert „und dem Stoiber seine Grenzen aufgezeigt“.

Doch halt. Wo eigentlich sind die Kanzlermacher der Union? Ahnten sie schon vor dem TV-Duell, dass der mediale Überraschungscoup ihres Kandidaten vierzehn Tage zurückliegt? Dass sich der Amtsinhaber damals bei der Premiere womöglich bewusst nur deshalb auf die Rolle des trockenen Staatsmannes beschränkte, weil er sein Gegenüber studieren und jetzt im Finale an dessen wunden Punkten angreifen wollte. Quälend lange 15 Minuten brauchte Stoiber-Macher Michael Spreng nach dem Ende des Duells, sich der Kamera zu stellen und seinen Chef mit sehr ernstem Gesicht als „Entzauberer von Schröder“ zu qualifizieren. Und maskenhaft fröhlich blinzelte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer bei der Erkenntnis, „Stoiber hat gesiegt“. Denn da wussten beide schon: Diesmal lagen die anderen Polit-Regisseure besser.

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