Politik : Die Kirche will nicht schüchtern sein

EKD-Synode debattiert auch rot-grüne Sparpolitik

Claudia von Salzen

Auch die Kirche will wissen, mit wem sie es zu tun hat. Das Parlament der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Synode, wird sich von diesem Sonntag an vor allem mit der Frage „Was ist der Mensch?“ beschäftigen. Um Antworten darauf zu finden, geht die Synode auf ihrer Tagung in Timmendorfer Strand ungewöhnliche Wege. Die Leiterin des Allensbacher Instituts für Demoskopie soll den Kirchenvertretern erklären, „wer dieser radikal säkular gewordene Mensch ist, was ihn beschäftigt, worauf er hofft und was ihm Angst macht“. Der Präses der Synode, Jürgen Schmude, hat vor der Tagung gefordert, Kirche müsse zeitgemäßer werden: „Wenn man keine Risiken eingeht, haben wir bald eine Opa-Kirche, die niemanden mehr interessiert.“

Eine Strukturreform könnte die öffentliche Präsenz der EKD erhöhen: „Die EKD muss als entscheidendes gemeinsames Organ aller 24 Landeskirchen wahrgenommen werden“, forderte Wolfgang Huber, Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Eine Strukturreform hätte Auswirkungen auf die Zusammenschlüsse der lutherischen, reformierten und unierten Kirchen. Darüber dürfte es Streit geben: Während die einen an den konfessionellen Verbänden festhalten wollen, möchten die anderen sie auflösen, um die Zersplitterung zu beenden.

Inhaltlich wird sich die Synode auch mit Fragen der Embryonenforschung und der Präimplantationsdiagnostik (PID) befassen. Den 120 Mitgliedern des Gremiums liegt dazu der Entwurf einer so genannten „Kundgebung“ vor. Zur Bioethik war vor kurzem eine Kommission der EKD, die Kammer für öffentliche Verantwortung, überraschend nicht zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Huber erwartet jedoch, dass die Synode bei diesem Thema eine „klare Position“ finden werde. Schließlich hat sich auch der Rat der EKD bereits eindeutig gegen die Embryonenforschung ausgesprochen.

Die Kirchenvertreter werden sich auch kritisch mit den Sparvorschlägen der Bundesregierung auseinandersetzen: „Soziale Gerechtigkeit ist keine Schönwetter-Vokabel“, sagte Huber. Die Kirche werde sich auch weiterhin in die gesellschaftliche Debatte einbringen, betonte der Bischof. „Niemand muss sich Sorgen machen, dass wir eine schüchterne Kirche werden.“

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