Politik : Die Kirche zwischen Tabu und Toleranz

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Der Karikaturenstreit hat auch bei der Vollversammlung des Weltkirchenrats im brasilianischen Porto Alegre die Gemüter erregt. Unter dem Druck zahlreicher Delegierter aus der arabischen Welt erarbeitete der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in einem Wettlauf gegen die Zeit beinahe am Ende der Konferenz eine Stellungnahme zum Konflikt.

Verurteilt würden die Veröffentlichungen der Karikaturen ebenso wie die daraus folgende Gewalt, hieß es in einer Mitteilung. Zudem rief der Weltkirchenrat dazu auf, „den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen“ zu stärken. Der Spagat mag kirchenpolitisch korrekt gewesen sein, entsprach aber längst nicht der Meinung aller Delegierten. Innerhalb der Christen weltweit herrscht offenbar alles andere als Einigkeit.

„Ich heiße die Gewalt natürlich nicht gut, sie war aber eine logische Folge der beleidigenden Veröffentlichungen“, klagte etwa der neue ÖRK-Präsident für Asien, Soritua Nababan.

Der Bischof der protestantisch-christlichen Batak-Kirche in Indonesien sagte, die Karikaturen hätten Hardliner und Fundamentalisten bestärkt und den Dialog mit gemäßigten Muslimen erschwert. Der Westen müsse endlich anerkennen, dass Pressefreiheit nicht unbegrenzt sein könne. Delegierte aus Ländern mit großen islamischen Bevölkerungsanteilen äußerten sich in Porto Alegre ähnlich.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann sagte zu dem Thema, „es sollte auch klar werden, dass die Kirchen für Freiheit eintreten, für Meinungsfreiheit ebenso wie für Religionsfreiheit.“ dpa

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