Politik : Die Kirchen stellen eine Broschüre zum Thema vor

Beatrice von Weizsäcker

Die Medizin macht täglich Fortschritte. Sie kann von Leiden erlösen, kann Leiden - und Sterben - aber auch verlängern. Das ist nicht nur ein Thema für Ärzte, sondern auch, im ureigenen Sinne, ein Thema der Kirchen. Darum haben sich Protestanten und Katholiken zusammengesetzt und eine Broschüre über das Thema Patientenverfügung erarbeitet. Mit einer solchen Verfügung kann man schriftlich erklären, ob man in bestimmten Krankheitssituationen auf umfangreiche medizinisch-technische Behandlung verzichten will, wenn diese lediglich dazu dient, das Leben künstlich zu verlängern.

Der Vorsitzende des Rates des EKD, Manfred Kock, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, stellten die Handreichung am Montag in Düsseldorf vor. Das Heft enthält Formulare einer "Christlichen Patientenverfügung", eine pastorale Einführung und ausführliche Erläuterungen zum Thema. Die Broschüre enthält außerdem eine Vollmacht, mit der eine Vertrauensperson beauftragt werden kann, den Willen des schwerstkranken Patienten einzubringen. Das Anliegen wird auch von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und damit von zahlreichen kleinen Kirchen mitgetragen.

"Aus christlicher Sicht gibt es einen Anspruch auf menschenwürdiges Sterben, aber kein Recht auf Tötung", erklären die Theologen. Die Christliche Patientenverfügung setze sich darum deutlich gegen jede Form der aktiven Sterbehilfe ab. Ärzte und Angehörige hätten kein Recht, "einen unheilbar Kranken zu töten oder das Leben eines alten Menschen abzukürzen". Dies müsse nach den "verheerenden" Diskussionen über Sterbehilfe zum Beispiel in den Niederlanden und den USA klargestellt werden.

"Frei von Schmerzen, Angst und Unruhe und unter Wahrung der Grundbedürfnisse menschlicher Existenz muss mit dem Sterbenden und für ihn ein Weg gefunden werden zwischen unzumutbarer Lebensverlängerung und nicht zu verantwortender Lebensverkürzung", betonten Lehmann und Kock in Düsseldorf.

Patientenverfügungen tragen dem Selbstbestimmungsrecht des Kranken Rechnung. Sie enthalten keine konkreten Behandlungsanweisungen, sondern helfen Ärzten und Pflegern, Vertrauenspersonen und Betreuern, den tatsächlichen oder mutmaßlichen Willen des Patienten zu ermitteln.

Die rechtliche Wirkung der Patientenverfügung wird immer wieder in Frage gestellt. Im September 1998 verabschiedete die Bundesärztekammer "Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung", in denen sie sich für eine Stärkung des Selbstbestimmungsrechts von Patienten aussprach. Ausdrücklich legen diese Grundsätze fest, dass Patientenverfügungen "verbindlich" sind, "sofern sie sich auf die konkrete Behandlungssituation beziehen und keine Umstände erkennbar sind, dass der Patient sie nicht mehr gelten lassen würde".

Die Kirchen raten darum, rechtzeitig eine Patientenverfügung zu erstellen und diese alle zwei bis drei Jahre zu erneuern, damit stets Klarheit darüber besteht, ob der Patient bei seinem Willen geblieben ist.

Die Broschüre "Christliche Patientenverfügung - Handreichung und Formular" ist in einer Startauflage von 200 000 Exemplaren erschienen und kann bezogen werden über die Evangelische Kirche in Deutschland (Tel.: 0551/2796-460), die Deutsche Bischofskonferenz (Tel.: 0228/103-205) sowie über die evangelischen Landeskirchen (in Berlin-Brandenburg: 030/39091-242).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben