Politik : „Die Kluft zu Europa ist größer geworden“

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Madrid. Europa und Lateirika wollen enger zusammenrücken. Die 48 Regierungs- und Staatschefs der EU sowie der südamerikanischen und karibischen Staaten gelobten auf ihrem Gipfeltreffen in Madrid, die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Kontinenten auszubauen. Kernpunkte der Erklärung sind die Kooperation bei der verstärkten Bekämpfung des Terrorismus und der Drogenmafia sowie der schrittweise Abbau von Handelshindernissen. Europa forderte Lateinamerika auf, Demokratie und wirtschaftliche Öffnung voranzutreiben. Ein Appell, den Kubas Staatschef Fidel Castro, der in letzter Minute absagte, nicht zu Ohren kam. Mit Chile besiegelte die EU eine Freihandelszone.

Die „strategische Annäherung“ zwischen den reichen Europäern und den ärmeren, teils krisengeschüttelten Staaten auf der anderen Seite des Atlantiks verläuft freilich nicht so problemlos wie im Gipfelpapier niedergeschrieben. Die Kluft zwischen den beiden Regionen, so bilanzierte Brasiliens Präsident Fernando Cardoso, sei seit dem ersten Gipfel zwischen EU und Lateinamerika 1999 in Rio de Janeiro in mancher Hinsicht eher größer geworden. Cardoso artikulierte im Namen seines Kontinents das „wachsende Unwohlsein gegenüber der Globalisierung". Der brasilianische Präsident warnte vor einem europäischem Protektionismus, der sich in ein „Instrument zur Verteidigung der Privilegien der Reichen“ verwandelt, und vor einem dadurch betriebenen „Einfrieren der Ungleichheiten". Der amtierende EU-Ratspräsident, Spaniens Regierungschef Jose Maria Aznar, rief Mittel- und Südamerika hingegen auf, die Globalisierung als „ungeheuer große Chance für den Fortschritt“ zu sehen. Die EU bot Lateinamerika und der Karibik „wahrhaft privilegierte Beziehungen“ mit Europa an. „Wir sind uns alle der Probleme bewusst, die wir vor uns haben.“ Die größte Bedrohung sei jedoch der internationale Terrorismus. Süd- und Mittelamerika gelten als Rückzugsregion der letzten großen europäischen Terrorbewegung, der baskischen Eta. Die EU versprach in Madrid, die kolumbianische gewalttätige Untergrundbewegung Farc in die Liste der international verfolgten Terrorgruppen aufzunehmen.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Handelsvolumen zwischen der Europäischen Union und Lateinamerika verdoppelt. Doch der Handel in dieser Region wird von den USA dominiert. Etwa 15 Prozent der Außengeschäfte des südlichen Amerikas werden mit Europa und dann vor allem mit Spanien gemacht. Diese Bilanz dürfte indes schlechter ausfallen, wenn im Jahr 2005 die vereinbarte Freihandelszone zwischen Süd- und Nordamerika in Kraft tritt. Die EU hinkt mit ihren Handelsvereinbarungen, die bislang nur mit Mexiko und Chile bestehen, weit hinterher. Ralph Schulze

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