Politik : Die Kriegsherren liefern sich neue Kämpfe

Ashwin Raman

Während sich das Augenmerk der Welt noch auf die Bergfestung Tora Bora richtet, hat im Norden Afghanistans ein heftiger Kampf zwischen verschiedenen Teilen der Nordallianz begonnen. Die Truppen von General Fahim, dem Verteidigungsminister der Interimsregierung, und von General Mansoor Naderi kämpfen um die Vorherrschaft in Pul-i-Khumeri, der Hauptstadt der Provinz Baghlan. Am Freitag vertrieb Naderi, der Führer der Ismaili-Partei, die auch Teil der Nordallianz ist, Fahims Tadschiken aus Khumeri. Unterstützung bekam Naderi von dem Usbeken-General Abdul Rashid Dostum.

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Sibghatullah Zaki, ein Sprecher von Dostums Jumbash-i-Milli-Partei, sagte dem Tagesspiegel: "Die Auseinandersetzung begann, als Fahim 1500 russischen Spezialeinheiten erlaubte, in Khumeri eine Basis zu errichten. In den Kämpfen sind bis jetzt 350 Soldaten beider Seiten ums Leben gekommen." Der pakistanische Geheimdienst ISI bestätigte diesen Bericht. Nach Darstellung des Geheimdienstes sollen Naderi und Dostum auch von amerikanischen und australischen Truppen und mit Luftangriffen unterstützt worden sein. Am Samstag schickte Fahim Verstärkung aus Kabul und nahm Khumeri wieder ein. Im Gegenzug soll Dostum neue Einheiten aus Mazar-i-Sharif nach Khumeri geschickt haben.

In Kabul hat Verteidigungsminister Fahim zusätzlich Probleme. Seine Truppen sollen zum Teil seit Juli keinen Lohn mehr bekommen haben. Es gibt Berichte über Morde, Diebstähle und Erpressungen durch Soldaten in der Hauptstadt. In der vergangenen Woche beispielsweise sollen vier Soldaten in Kabul in ein Taxi gestiegen sein und dem Fahrer befohlen haben, zur westlichen Stadtgrenze zu fahren. Dort wurde der Taxifahrer ermordet, sein Taxi ist seitdem verschwunden. Kein Taxifahrer wagt sich seitdem mehr in die Vororte Kabuls. Die Kriminalität hat zwar längst nicht das Ausmaß wie in den Jahren von 1992 bis 1996, als Dostum, Hekmatjar und andere Kriegsherren Kabul plünderten. Doch viele Bürger sehnen sich nach dem Einsatz ausländischer Friedenstruppen oder gar nach den Taliban. Einer von Fahims Soldaten sagte: "Ich musste mir Geld ausleihen, um über die Runden zu kommen. Auf dem Weg vom Norden nach Kabul konnten wir ein paar Mitbringsel (geplünderte Gegenstände) einkassieren. Die haben wir in Kabul verkauft und davon gelebt. Jetzt haben wir nichts mehr." Fahims Erklärung für die Zustände: "In einer Übergangszeit gibt es immer solche Probleme. Wir haben vor, den Soldaten zum Ende des Ramadans etwas Geld zu geben."

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