Politik : Die Kür des Kandidaten Sarkozy

Französischer Minister ist einziger UMP-Bewerber

Hans-Hagen Bremer

Paris - Nicolas Sarkozy steht vor einem Triumph. Am heutigen Sonntag wird der Innenminister und Chef der konservativen französischen Regierungspartei UMP auf einem Kongress seiner Partei zu ihrem offiziellen Präsidentschaftskandidaten ausgerufen werden. 50 000 Teilnehmer aus ganz Frankreich werden zu dem Massentreffen in einer Messehalle in Paris erwartet, das nur den einen Zweck hat, für den Start Sarkozys in die kommende Wahlschlacht eine möglichst eindrucksvolle Kulisse abzugeben. Die Kandidatenkür, der sich Sarkozy seit Anfang Januar mangels anderer Bewerber als einziger stellt, endet zwar erst am Sonntagvormittag. Doch wie die 330 000 Mitglieder der „Union pour un mouvement populaire“ (Union für eine Volksbewegung) dann abgestimmt haben werden, unterliegt keinem Zweifel. „Sarko“, wie ihn seine Anhänger nennen, kann mit einem „sowjetischen“ Ergebnis rechnen.

Der 51-jährige Politiker ist damit der wichtigste Gegner der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal, die im November aus einer Urwahl ihrer Partei gegen zwei Mitbewerber als klare Siegerin hervorgegangen war. Laut Umfragen könnte es zwischen beiden im Frühjahr zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen. Wieviele Kandidaten sich außerdem zur Wahl stellen werden, ist noch unbekannt. Bisher haben Francois Bayrou, der Präsident der zentristischen UDF, sowie Jean-Marie Le Pen, der Führer der rechtsextremistischen Nationalen Front, sowie die Kommunistin Marie-Georges Buffet und Dominique Voynet von den Grünen die nötigen Unterschriften zusammen.

Konkurrenten aus dem Regierungslager hatte Sarkozy zuletzt nicht mehr. Der frühere Premierminister Alain Juppé, laut Staatspräsident Jacques Chirac der „Beste unter uns“, musste sich nach seiner Verurteilung in einer Affäre um illegale Parteifinanzierung die Hoffnung auf dessen Nachfolge aus dem Kopf schlagen. Der jetzige Regierungschef Dominique de Villepin brachte sich durch seine autoritäre Amtsführung um alle Chancen. Schließlich warf auch Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie das Handtuch.

Doch vor Querschüssen ist Sarkozy auch weiterhin nicht sicher. Um den ihm verhassten Kandidaten zu behindern, spielt der 74-jährige Chirac mit dem Gedanken, sich erneut zur Wahl zu stellen, obwohl laut Umfragen 80 Prozent der Franzosen ihn nicht mehr im Elysee-Palast sehen wollen. Auch Premierminister Villepin tat in letzter Zeit alles, um Sarkozy Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Er werde am Sonntag nicht für ihn stimmen, sagte er, da Chirac seine Absichten noch nicht erklärt habe. Darauf reagierten die Parlamentarier der UMP, die nahezu geschlossen hinter Sarkozy stehen, mit einer Revolte gegen den Regierungschef. Sie befürchten, dass Le Pen der lachende Dritte sein könnte, sollte der Kleinkrieg gegen Sarkozy nicht aufhören.

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