Politik : Die Lage im Kongo wird gefährlich

Karin Wollschläger

Berlin - Die UN befürchten neue Gewalt im Kongo. Der Direktor der UN-Mission, Albrecht Conze, warnte vor einem aggressiven Abgleiten des bisher relativ ruhigen Wahlkampfs. „Eskalationen passieren im Kongo sehr plötzlich und sind nur schwer vorhersehbar“, sagte er dem Tagesspiegel am Freitag. Dennoch hoffe er, dass die Situation in Kinshasa am Sonntag während der Wahl ruhig bleibe, auch wenn die Lage in der Stadt derzeit „angespannt“ sei. Dass die nationale Präsidentengarde bereits in Alarmbereitschaft stehe, wertete der UN-Diplomat als schlechtes Zeichen.

Am Donnerstagabend hatte sich die Lage in der Hauptstadt zugespitzt, als bei einer Wahlkampfveranstaltung des Kandidaten Jean-Pierre Bemba mehrere Menschen brutal getötet worden waren, darunter drei Polizisten. Am Freitag kam es im Umfeld des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila zu einem Schusswechsel, bei dem der Leibwächter eines Gegenkandidaten getötet wurde.

Die Wahl am Sonntag ist die erste freie Abstimmung seit mehr als 40 Jahren in dem afrikanischen Land. Eine 2000 Soldaten starke EU-Truppe soll helfen, sie abzusichern. Das Einsatzführungskommando in Potsdam, von wo aus der gesamte EU-Einsatz geleitet wird, schätzt die allgemeine Sicherheitslage trotz allem als „unverändert ruhig“ ein. Allerdings räumte Oberst Michael Knop ein: „Es ist schwer einschätzbar, wie sich das jetzt weiterentwickelt.“

Sorge vor eskalierender Gewalt in den nächsten Tagen äußerte der Sprecher des Bundeswehrverbands, Wilfried Stolze: „Bei Versorgungsfahrten fühlen sich die deutschen Soldaten nicht sicher und haben Angst vor weiteren Übergriffen.“ In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Attacken auf die EU-Soldaten gegeben.

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