Politik : Die Last mit dem Kandidaten

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Von Heidi Parade, Mainz

Die Stellungnahme, die der SPD-Landesvorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck in seinem Urlaubsort auf Mallorca für die Presse in der Heimat nach einem Telefonat mit Rudolf Scharping verfasst hatte, war fast verletzend kurz: „Rudolf Scharping ist und bleibt Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen SPD bei der Bundestagswahl und Direktkandidat im Wahlkreis 207, Montabaur.“ Kein Wort, warum Scharping Spitzenkandidat ist und auch bleiben soll, kein Wort über seine Verdienste für die Landespartei.

Eines steht fest: Scharping kann gar nicht mehr auf den Spitzenplatz der Landesliste oder auf die Kandidatur in seinem Wahlkreis verzichten oder aus diesen Positionen gedrängt werden. Nach Auskunft des stellvertretenden Landeswahlleiters Stephan Danzer lief die Frist für eine Änderung der Landesliste gerade am Tag des Rauswurfs ab. Nach dem Bundeswahlgesetz kann diese Liste deshalb nicht mehr verändert werden.

Die rheinland-pfälzische SPD muss also, ob sie will oder nicht, mit dem angeschlagenen Spitzenkandidaten ins Rennen ziehen. Doch sie will es ja auch. Denn da ist ja noch die Dankbarkeit gegenüber Scharping. Schließlich hat der gebürtige Lahnsteiner seine Partei in Mainz nach über 40-jähriger CDU- Herrschaft 1991 erstmals an die Macht geführt.

Dennoch empfindet die Landespartei, die 1998 bei der Bundestagswahl 41,7 Prozent der Stimmen erzielte, Scharping als eine Belastung im Wahlkampf. Das wird aber nur unterschwellig zugegeben. Die Situation sei alles andere als einfach, sagt Generalsekretär Roger Lewentz. Er spricht von „unwegdiskutierbaren Verdiensten“ des Ex-Ministers. Natürlich gebe es auch in diesem Landesverband wohl einige, die urteilten, dass das Fass jetzt übergelaufen sei. „Aber wir hoffen, dass wir das noch umbiegen können.“ Am Wahltag würden hoffentlich Dankbarkeit und Solidarität überwiegen. Bislang überwiegen in der Landes-SPD aber noch Wut und Kopfschütteln über Scharpings jüngste Eskapaden. Ob er das denn nötig habe, wird geschimpft. Ob das noch der Scharping sei, „den wir von Mainz her kennen“, fragen andere. Wieder andere spielen die Spitzenkandidatur herunter. Scharping sei ein Wahlkreiskandidat wie andere auch, allenfalls durch den Listenplatz und seine Prominenz hervorgehoben.

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