Die Lieblingskandidatin : Alle mögen Malu Dreyer

Die Sozialministerin Malu Dreyer soll Beck folgen – das finden auch die Grünen gut.

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Die Nachfolgerin. Malu Dreyer gilt als Teamspielerin und gut vernetzt.
Die Nachfolgerin. Malu Dreyer gilt als Teamspielerin und gut vernetzt.Foto: dapd

Menschen, die mit Malu Dreyer zusammengearbeitet haben, bewundern sie. Das hat politische und persönliche Gründe, denn die ausgewiesene Sozialpolitikerin hat schon vor langer Zeit selbst öffentlich gemacht, dass sie an „Multipler Sklerose“ (MS) erkrankt ist. Seit Anfang der neunziger Jahre. Nun will sie Kurt Beck, der ebenfalls gesundheitlich angeschlagen ist, zu seiner Nachfolgerin machen. Sie selbst sagt, und das bestätigen auch enge Weggefährten, die mit ihr im Kabinett gesessen haben, dass die politischen Aufgaben ihr Kraft geben.

Politisch ist Malu Dreyer, 51, verheiratet, drei Kinder, die wohl beste Wahl für die Sozialdemokraten in Rheinland- Pfalz. Beck steht für soziales Engagement, er holte die studierte Juristin, die schon Erfahrungen in der Kommunalpolitik als Bürgermeisterin hatte, 2002 als Sozialministerin in seine Regierung. Sie gilt als erfahrene Teamspielerin, uneitel und sehr gut vernetzt in der eigenen Partei. Vor allem aber hat sie mit der Pleite am Nürburgring nichts zu tun, während alle anderen möglichen Nachfolgekandidaten, wie beispielsweise der jetzige Fraktionschef Hendrik Hering, sehr in das gescheiterte Projekt involviert waren.

Besonders interessant ist die Wahl auch deshalb, weil Dreyer schon früher als viele andere in ihrer Partei die Nähe zu den Grünen suchte, dem Koalitionspartner der SPD seit 2011. Auf kommunaler Ebene hat sie sogar ein Bündnis zwischen SPD, Grünen und FDP geschmiedet, für die Grünen ist sie immer die „Lieblingskandidatin“ gewesen. Fraktionschef Daniel Köbler sagte dem Tagesspiegel: „Sie ist eine Sozialpolitikerin mit Herz. Ich bin mir sicher, dass wir die vertrauensvolle Arbeit in der Koalition unter Kurt Beck auch mit Malu Dreyer bis 2016 weiterführen werden.“

Eine andere Frau dürfte über die Entscheidung weniger erfreut sein: CDU- Chefin Julia Klöckner. Sie hat Beck bereits bei der vorangegangenen Wahl an den Rand einer Niederlage gebracht, jetzt setzte sie ihm zu mit Rücktrittsforderungen und einem Misstrauensantrag wegen der Nürburgring-Pleite. Klöckner einte die völlig zerstrittene Partei und macht sich große Hoffnungen, die nächste Ministerpräsidentin zu werden. Doch ihre heftigen Attacken gegen die Grünen, denen sie Verrat an den eigenen Grundsätzen vorwarf, haben das Verhältnis zu diesen momentan zerrüttet, so dass ein Bündnis unwahrscheinlich ist. Dreyer dagegen kann nicht nur mit den Grünen, sondern auch mit der FDP, die zurzeit nicht im Landtag vertreten ist.

Vielleicht, das weiß sie selbst, muss sie in Zukunft im Rollstuhl sitzen. Aber für jeden MS-Kranken ist es nach ihrer Überzeugung eine Lebensaufgabe, wie sie einmal sagte, seine richtige Balance zu finden und möglichst wie sie es für sich selbst empfindet, ein „sehr, sehr glückliches Leben“ zu führen. Armin Lehmann

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