Politik : Die Linkspartei zankt wegen Lafontaine

Matthias Meisner

Berlin - Oskar Lafontaine, designierter Spitzenkandidat der geplanten Linkspartei aus PDS und WASG, empört im eigenen Lager die Gemüter. Nach anfänglicher Zurückhaltung äußerten sich am Donnerstag weitere PDS-Politiker kritisch zu dem mit Gregor Gysi abgestimmten Plan, auch Wähler am rechten Rand für das neue Bündnis zu gewinnen.

Die PDS-Bundestagsabgeordnete Petra Pau nannte es zwar völlig legitim, um die Wähler der Rechten zu ringen. „Allerdings nicht, indem wir die Positionen der Rechten übernehmen.“ In Anspielung auf die umstrittene „Fremdarbeiter“-Äußerung des früheren SPD-Vorsitzenden betonte sie laut AFP: „Wenn Oskar Lafontaine das anders sehen sollte, hätten wir einen Konflikt.“ Der Chef der NRW-PDS, Paul Schäfer, nannte die Äußerungen Lafontaines „missverständlich“. Lafontaine soll am 30. Juli in Essen zum Spitzenkandidaten auf der NRW-Landesliste der PDS gekürt werden. Bis dahin will sich die Partei umbenannt haben in „Die Linkspartei“. Die Wortführerin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht, warf Gysi und Lafontaine vor, eine „Strategie auf der Grundlage von Umfragen“ zu entwickeln. Dabei sei „auch das Fischen im braunen Sumpf eine Option, Hauptsache es bringt Wählerstimmen“. Wagenknecht nannte es „skrupellos und politisch fahrlässig“, die Grenzen zwischen links und rechts zu verwischen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, äußerte Verständnis dafür, dass Parteien rechte Wählerstimmen ergattern wollen. In der „Netzeitung“ fügte er aber hinzu: „Es ist auf das Schärfste zu verurteilen, dass Lafontaine das mit Begriffen versucht, die bekanntlich von Neonazis benutzt werden.“ Lafontaine solle sich auf seine „demokratische Grundeinstellung“ besinnen.

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