Die Lord's Resistance Army : Massaker im Namen des Herrn

Terror im Herzen Afrikas: Die Rebellentruppe LRA aus Uganda führt in vier Ländern einen grausamen Krieg gegen die Zivilbevölkerung.

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„Ich kann einfach nicht verstehen, warum wir diese Plage nicht beenden können“, hat die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton Ende Februar vor dem Außenausschuss des Senats gesagt. Sie sprach über die Lord’s Resistance Army (LRA, Widerstandsarmee des Herrn), die vor 23 Jahren im Norden Ugandas ihren Kampf gegen Zivilisten und insbesondere Kinder begonnen hat. Zwischen dem 14. und 17. Dezember 2009 hat die nach Einschätzung der ugandischen Armee nahezu besiegte LRA wieder einmal bewiesen, dass sie noch immer zu Grausamkeiten fähig ist.

Nach Recherchen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Truppe um Joseph Kony im Dezember mindestens 321 Menschen in Makombo im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) ermordet und weitere 250 Menschen verschleppt. Ein Sprecher der LRA wies den Bericht am Montag im britischen Sender BBC als „haltlose Anschuldigung“ zurück. Doch HRW hat auf 69 Seiten bedrückende Zeugenaussagen von Menschen zusammengetragen, die flüchten konnten oder die auf dem Weg der Rebellentruppe Leichen von Verschleppten gefunden haben. Die Handschrift ist eindeutig die der LRA.

Joseph Kony, der sich selbst als eine Art Messias sieht, hat die LRA vor mehr als 20 Jahren gegründet, um im Namen der Volksgruppe der Acholi gegen den Präsidenten Yoweri Museveni zu kämpfen, der seit nunmehr 24 Jahren an der Macht ist. Allerdings hatte Kony, dessen Ziel nach eigener Aussage ein christlicher Gottesstaat ist, schon bald keine Unterstützung mehr unter den Acholi. Denn die Truppe begann schnell, sich gegen die Zivilbevölkerung in Norduganda zu wenden. Sie verstümmelte Menschen, die sie nicht unterstützten wollten. Ihr Markenzeichen sind abgeschnittene Lippen, Ohren und Nasen. Außerdem begann Konys Truppe schnell, Kinder als Soldaten zu rekrutieren und Mädchen zu Sexsklavinnen von LRA-Offizieren zu machen.

Nach mehreren Großoffensiven gegen die LRA, die letztlich erfolglos verliefen, entschied sich Museveni 2004, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag um Ermittlungen zu bitten. 2005 stellte der Gerichtshof Haftbefehle gegen Kony und mehrere seiner Offiziere aus. Mit dem Abschluss des Friedensabkommens zwischen Nord- und Südsudan, das einen mehr als 20 Jahre andauernden Bürgerkrieg zunächst beendete, endete auch die direkte Unterstützung der LRA durch die Regierung in Khartoum. Die südsudanesische Regierung warf die LRA, die einen Teil ihrer Stützpunkte dort aufgebaut hatte, aus dem Land. Auch Uganda gelang es, die LRA zu vertreiben. Seither terrorisiert die Truppe den Nordosten Kongos.

Ende 2008 unternahm die ugandische Armee gemeinsam mit der kongolesischen Armee und großzügiger Unterstützung der US-Regierung eine Offensive gegen die LRA und verfehlte Kony offenbar nur knapp. Als Rache für den Luftangriff auf das Lager der LRA im Garamba-Nationalpark massakrierten die Rebellen schon zu Weihnachten 2008 knapp 900 Menschen im Nordosten Kongos. Die ugandische Armee geht davon aus, dass nur noch rund 200 Kämpfer von der LRA übrig sind. Die meisten hätten sich inzwischen in die Zentralafrikanische Republik zurückgezogen, aus der ebenfalls immer wieder Angriffe auf Zivilisten gemeldet werden. Kony selbst soll sich nach Angaben Musevenis inzwischen in den Westen Darfurs im Sudan zurückgezogen haben.

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